Anfang und Ende

Treppenhaus im Klinikum Kassel

Als ich vorgestern auf dem Weg zu meinem Vater war, der im Klinikum Kassel gerade zwei Bypässe bekommen hatte, konnte ich die Intensivstation nur über diese wunderschöne Treppe erreichen. Nicht nur die architektonische Schönheit faszinierte mich, sondern auch die mit meinem Besuch verbundene Metapher die mir durch den Kopf ging. Der Zirkel des Lebens. Der Weg ins Licht. Eine formvollendete Galaxie.

Am Ende unser aller Zeit, wenn wir die Lebenstreppe erklommen haben, stehen wir vielleicht ganz oben vor diesem Licht und schauen den Treppenschacht nach unten. Dort wo alles begann. Sind wir dann zufrieden mit dem was wir sehen? Oder hadern wir mit unserem Schicksal? Können wir den Schritt ins Licht mit Freude gehen?

Mein Vater muss diese Entscheidung hoffentlich noch nicht so schnell treffen, aber den letzten Schritt, …. den gehen wir alle irgendwann. Und dann denken wir an einem solchen Tag wie heute, an die, die ihn bereits gegangen sind.

In Memoriam….

Narrenhände

Kunstwerk der East Side Gallery

Das diese kleinen Schildchen, die – in regelmäßigen Abständen entlang der Eastside Gallery – darauf hinweisen, dass es sich hier um ein Kunstwerk handelt, José aus Spanien, Hiroko aus Japan, oder Pamela aus US of A, davon abhalten würden, ihre sinnfreien Botschaften mit Stiften auf die Kunstwerke zu kritzeln, war nicht wirklich zu erwarten. Aber das selbst Sprayer inzwischen keine Rücksicht mehr auf die Kunst Anderer nehmen, zeugt schon sehr von bodenloser Ignoranz und purem Egoismus. Weiterlesen „Narrenhände“

Ich bau dir ein Schloss

Schlosskuppel im Abendlicht

Während im Vordergrund der Weihnachtsmarkt vor dem roten Rathaus aufgebaut wird, leuchtet im Hintergrund die Kuppel des neuen Schlosses in der herbstlichen Abendsonne. Wird die Fertigstellung des Schlosses noch eine Weile auf sich warten lassen, eröffnet die „Berliner Weihnachtszeit“ bereits am 23. November seine Tore. Eines der Highlights wird wie jedes Jahr die Schlittschuhbahn rund um den Neptunbrunnen sein. Einer der schönsten Berliner Weihnachtsmärkte, auch wenn der Platz durch den U-Bahn-Bau etwas eingeschränkt ist.

Transparent

Kleinkind von unten in transparenter Höhle

Auf dem Olympus Playground in München – den wir im September besucht haben – gab es eine interessante Installation. Das Künstlerkollektiv „Numen for use“ erschuf mit transparentem Klebeband ein riesiges Labyrinth aus Tunneln und Räumen, das aus der Ferne wie eine riesige Insektenhöhle wirkte, die teils aufrecht und teils auf allen Vieren kriechend entdeckt werden konnte.

Trotz des filigranen Aussehens konnte man ohne Probleme mit mehreren Personen darin herumkrabbeln, posen, fotografieren, ohne das Kunstwerk damit in Bedrängnis zu bringen. Von außen waren die Personen nur schemenhaft, wie eingefroren in einem großen Eisblock, zu erkennen. Konserviert für die Ewigkeit. Faszinierend.

Monotonie

Wellenbrecher in Zingst

Es ist wie es ist,
sagt man sich, doch wagt man nicht,
sich zu fragen wie es wär‘,
einen anderen Blickwinkel zu haben.

Stoisch, Tag ein und Tag aus
lebt man so hin, wo bleibt denn der Sinn
sich nicht zu fragen:
Wo kommt sie her, die Monotonie?

Ist es egal, so ganz egal
wenn irgendetwas anders wär‘?
Was Neues muss her! Was Altes bleibt weg!
Und die Monotonie fällt gänzlich raus.

Carina Dreißig

Gute Reise

Älterer Mann vor ICE - schwarz-weiss

Es war eine herrliche Winternacht;
Ich habe Dich schweigend zum Bahnhof gebracht,
Und auf der Heide im Mondenstrahl
Da küßt‘ ich Dich zum letzten Mal.

Wie flossen so schmerzlich beim letzten „Ade“
Die brennenden Thränen hinab in den Schnee!
Dann riefen die Glocken — es kam der Zug,
Der fort mein Liebstes auf ewig trug.

Er brauste von dannen — ich stand allein
Bis fern erlosch der Laternen Schein;
Dann kehrte ich stumm in die Heide zurück:
Ade, meine Liebe! Ade, mein Glück!

August Freudenthal Quelle: Deutsche Gedichtebibliothek

Wintereinbruch in Berlin

Rodelbahn am Potsdamer Platz

Kaum sind die letzten Buden der Herbstmärkte weggeräumt und die Lichter des FoL erloschen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Wenn am Potsdamer Platz die Arbeiter erstmal wieder die Stangen zusammenschrauben und die Abdeckplane weiß in der Herbstsonne glänzt ist klar: Der Winter kommt. Zwar ist und bleibt er an diesem Ort künstlich, aber bald wird es hier wieder nach Glühwein riechen und Berge von Bratwürsten wechseln die Besitzer.

Denn Zeit ist Geld und je früher der Rubel rollt, desto besser für die Veranstalter der Märkte. Bereits am nächsten Wochenende geht es los, dann rollen die Tubes mit kreischenden Teenies die 70 Meter lange Rodelbahn herunter und der tauende Schnee tropft auf die Passanten. Wer mag, kann sich beim Apres Ski in der Original Salzburger Schmankerl-Hütte Rindfleischsulzerl, Gebirgsräucherforelle, oder Kaspreßknödel schmecken lassen. Ski heil und wohl bekomms.

Lichtmalerei auf Zingst

Der Zingster Bodden als Farbspielerei

Ganz Zingst besteht eigentlich nur noch aus Fotografie. Ob Open-Air Galerie, oder Galerie im Kunsthotel, überall Bilder namhafter Naturfotografen. Aber auch viele Nachwuchstalente stellen aus, insgesamt eine sehr fruchtbare Atmosphäre, die anregt selbst auch Kunst zu generieren.

Mit dem Fahrrad ist man nach rund 20 Kilometern am Zingster Bodden und genießt den Blick über Strandhafer, Salzwiesen, Brackwasser und wenn man die Augen zusammenkneift, sieht es in etwa so aus wie auf meinem Bild.

Um das Abstrakte nun zu simulieren, stelle ich die Kamera auf eine hohe Blende (f22) und bekomme so eine Belichtungszeit die es mir ermöglicht die Kamera zu „ziehen“ (1/40). Nicht vegressen den IS auszuschalten, da er sonst versucht die Bewegung zu eliminieren. Ein paar Versuche braucht es, dann ist die Lichtmalerei im Kasten und passt ausgedruckt wundervoll an die heimische Wand.

Es werde Licht

Festival of Lights - Berliner Dom

Es ist ein wenig wie „Groundhogday“. Erster Gedanke: „Ach herrje, ist es schon wieder so weit?“ Es wird wieder früh dunkel, und damit trotzdem noch Besucher nach Berlin kommen, hat man vor ein paar Jahren das „Festival of Lights“ erfunden. Bekannte Gebäude werden mehr oder weniger spektakulär illuminiert und von Fotografen millionenfach auf die Speicherkarte gebannt. Viel Neues gibt es in diesem Jahr nicht. Die Animationen am Brandenburger Tor waren aus meiner Sicht das Beste, der Rest wie immer. Let the Show go on.

Sympathieträger

Rotkehlchen auf einem Ast

Während in Berlin heute mehr als 100.000 Menschen gegen TTIP protestieren und wir uns langsam von dem Schrecken erholen, dass heute Nacht mitten im Wohngebiet unser Wohnmobil aufgebrochen und als Nachtlager benutzt wurde, suche ich im Bestand meiner Urlaubsfotos mal nach etwas Beruhigendem und bin bei einem kleinen, unerschrockenen Rotkehlchen gelandet.

Seine Bekanntschaft habe ich in diesem Jahr am Hallstatter See gemacht. Auf dem Campingplatz in Obertraun-Winkl, wo wir 3 Tage Rast auf unserer Österreichtour eingelegt haben, hatte ich endlich mal die Muße und die Möglichkeit kleine Piepmätze zu fotografieren. Jeden Abend tobten die drei Geschwister über den Platz und hatten auch keine Scheu, ganz nah zu mir zu kommen. Wenn ich mich still verhielt. So konnte ich mit dem 40-150mm und meiner OM-D – trotz Fluchtdistanz – die Bande nach und nach formatfüllend auf den Speicher bekommen.