Der ewige Mucker

Im Oktober 1966 setzt sich der 18-jährige Hartmut Dietz das erste Mal hinter eine Schießbude und spielt mit seiner Gruppe „Team 331“ zum Jugendtanz der EOS „Karl Marx“ in Calbe auf. Für alle nicht DDR-sozialisierten Leser, das entsprach damals in etwa dem westdeutschen Beatclub, oder der Disco. Damit begann eine bis jetzt 50 Jahre andauernde „Muckerkarriere“, die am letzten Wochenende im Comenius Eck entsprechend gefeiert wurde. Weiterlesen „Der ewige Mucker“

All that Jazz

Parallel zum 53. Jazzfest Berlin zeigen der Berliner Fotograf Detlev Schilke und sein amerikanischer Kollege Patrick Hinely in der Fotogalerie Friedrichshain einen einzigartigen Querschnitt aus über 25 Jahren Jazzportraits vor und hinter den Kulissen.

Während Fotograf Schilke bei der Vernissage anwesend war, konnte Kollege Hinely leider nicht einfach mal so aus New York vorbeikommen. Die Fotografen liefen sich erstmalig 1989 auf dem Berliner Jazzfest über den Weg und wurden Freunde. Beide verbindet die Liebe zum Jazz und zum Medium Fotografie.

In der Fotogalerie Friedrichshain ist die Ausstellung der großformatigen Schwarzweiss-Fotos noch bis zum 16. Dezember zu sehen. Das Berliner Jazzfest läuft bis zum kommenden Sonntag.

Die Bilder zeigen den Fotografen und die Gruppe Rukola, die die Vernissage musikalisch hervorragend begleitet haben.

Herbstschwan

Der Oktober war der Monat mit den bisher wenigsten Sonnenstunden. Nicht nur gefühlt war alles grau und diesig. Aber es gibt ja viele Arten von Grau, Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau, 28 Grautöne insgesamt. Auch laut Wetteraufzeichnungen war es seit langer Zeit ein sehr „dunkler“ Oktober. Das letzte Mal mussten die Menschen 1915 solange auf die Sonne verzichten. Aber da war ja auch Krieg. Um so schöner, dass der vorletzte Tag des Monats noch ein wenig versöhnte und man die bunten Farben des Herbstes in der Sonne genießen konnte. Das Foto entstand am Weissensee.

Foto: Olympus OM-D E-M5 II | 70mm | 1/1000 | f 4.6 | ISO 200

Look right

Das ist die wichtigste Botschaft für temporäre Besucher der britischen Hauptstadt vor dem überqueren von Straßen: „Look right“. Denn von dort kommen die Autos. Es gibt zwar auch Ampeln, aber für die Fußgänger scheinen die nur Empfehlungscharakter zu haben. Als Berliner zwar nicht ganz ungewohnt, aber hier bleibt man ja doch oft „Der Kinder wegen“ stehen. Die werden aber dort einfach mit über die Straße gezogen.

Da es ja ein dienstlicher Besuch war, hatte ich meine Kamera zu Hause gelassen und war nur mit dem iPhone unterwegs. Durch den Ausfall meines Frühfluges zurück nach Berlin, hatte ich dann auch noch etwas Zeit gewonnen und so die Gelegenheit, die Hotspots mit der Tube abzuklappern und ein paar Sofortbilder zu schießen. Here they are…

Dekagon

Was hier aussieht wie größere Installationsarbeiten in der Ruine der Klosterkirche, handelt sich in Wirklichkeit um eine Rauminstallation von Luc Wolff. In der Pressemappe zur Ausstellung findet sich der folgende Text über den Künstler:

In seinen temporär angelegten Arbeiten untersucht Wolff die Grenzen etablierter Lebensräume. Er geht auf vorgefundene Orte ein und verändert diese auf eine leise, unspektakuläre Weise, meist mit einfachen, alltäglichen Mitteln. Durch das subtile Markieren augenfälliger Raumgrenzen im Kontext funktionaler Architektur verweist Wolff auf das Ausgegrenzte. Vermeintlich isolierte, fest definierte Orte werden nicht mehr als solche wahrgenommen.Weiterlesen „Dekagon“

Nachtjäger

Die Waldohreule hat mit einer Körperlänge von etwa 36 cm und einer Spannweite von 95 cm etwa die Größe eines Waldkauzes.

Der Waldkauz, ein kleiner Eulenvogel, ist der Vogel des Jahres 2017 und löst damit den Stieglitz ab. Seit 1971 küren Nabu und LBV eine Art zum Vogel des Jahres, um auf die Bedrohung von Tieren und Natur aufmerksam zu machen. Mit der Wahl des Waldkauzes soll für den Erhalt alter Bäume mit Höhlen im Wald oder in Parks geworben werden.

Da ich grad keinen Waldkauz zur Hand hatte, habe ich auf eine Waldohreule zurückgegriffen, die ich im Frühling in Zingst vor die Linse bekam. Immerhin hat die Waldohreule mit einer Körperlänge von etwa 36 cm und einer Spannweite von 95 cm etwa die Größe eines Waldkauzes.

Foto: OM-D E-M5 / 150mm / 1/640 / f5.6 / ISO 200

Strohballen

Strohballen auf abgeerntetem Feld

Im goldenen Herbst wenn die Getreidefelder abgeerntet sind, bieten sich für Fotografen schöne Perspektiven mit den wie hingeworfen verstreut liegenden Strohrollen. Aus meiner Jugend kenne ich das noch in klein und viereckig. Es wurde oben aus einer Maschine ausgeworfen, die vorne das vom Mähdrescher übrig gelassene Stroh „einsaugte“. Meist war hinten noch ein Wagen dran, wo die Helfer die herabfallenden Ballen sofort stapelten. War der Wagen voll, ging es zurück zum Hof. Heute liegen die großen Strohballen noch lange auf den Feldern und werden dort zu Depots gestapelt. Abgeholt werden sie sicher auch irgendwann, da die Felder ja wieder bearbeitet werden müssen.

Strohrollendepot - Foto: h|b
Strohrollendepot – Foto: h|b

 

Selfie mit Herz

Wenn die Schatten – wie in diesen Tagen – wieder länger werden, macht es Spass ein wenig damit zu spielen. So wie früher mit der Lampe vor der weißen Wand. Die ursprüngliche Art der Lichtmalerei, oder besser der Schattenspielerei. Dieses Foto ist in Frankreich entstanden, in der Nähe der Brücke von Millau.

Mittelpunkt der Erde

Als die ersten Menschen vor rund 60.000 Jahren Afrika in Richtung Europa verließen, begann in einer riesigen Höhle in Frankreich ein Stalagmit zu wachsen. Ganz gemählich, ein paar Zentimeter pro Jahrhundert. Nur nicht hetzen lassen. Zeit ist relativ. Vor allen Dingen für die Natur. Die erschuf in diesen sechzig Jahrtausenden das, vor dem wir heute staunend stehen. 30 Meter hoch ist der höchste der etwa 400 Tellerstapelstalagmiten, eine besondere Art der Stalagmiten, heute und er braucht noch weitere 20.000 Jahre, um die Decke der rund 45 Meter hohen und etwa 60 Meter breiten Tropfsteinhöhle „Aven Armand“ zu erreichen.

Mit Jules Verne und seiner Geschichte von der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ beginnt unsere Führung durch die riesige Höhle. In immer neuen Farben präsentiert sich der „Forêt Vierge“ der „unberührbare Wald“ mit seinen wunderlichen Stalagmiten, die manchmal wie Bäume aussehen, oder wie ein großer Schichtkuchen, ein andersmal wie Medusen aus der Wand herausragen, ein fantastisches Szenario. Erschlossen wurde die Höhle 1897 vom Schlosser Louis Armand über einen oberirdischen Schacht auf der Hochebene Méjean in den Midi-Pyrénées. Heute fährt man bequem mit einer Standseilbahn 60 Meter hinab in die Höhle, wo die 45-minütige Tour beginnt. Wer dort einmal vorbeikommt, sollte sich dieses Wunder nicht entgehen lassen.

Carcassonne

Da wir spät dran sind – wir mussten unser Gefährt noch bei guten Fuhrleuten unterstellen – ist der Weg weitgehend frei von Marketendern, Pilgern und Bettlern die mit uns in die mittelalterliche Stadt Carcassonne strömen. Die Wache, die in der mittäglichen Sonne an der „Port d’Aude“ schwitzt, lässt uns problemlos passieren. Wir wenden uns über die „Rue de la Porte d’Aude“ dem Marktplatz zu und sind erstaunt über die vielen kleinen Kaschemmen und Marketendereien. Viel Tinnef und Tand zur Erbauung der Besucher wird hier angeboten. Gaukler und Taschendiebe sind  unterwegs, lassen uns aber in Ruhe.

Tuchmacher, Töpfereien und Kunsthandwerker bieten ebenfalls ihre Waren feil. Wir bestaunen das bunte Treiben in der kleinen Stadt, kaufen regionale Wurstwaren, trinken für vier Sous zwei Kaffee in einer kleinen Pinte und spenden zum Abschluss in der „Basilika St-Nazaire“ zwei Kerzen für einen Livre zu unserer seelischen Erbauung. Da wir das quirlige Stadtleben nicht so gewohnt sind, begeben wir uns nun über die alte Brücke und die „Bastide St. Louis“ zurück zu unserem Gespann und lassen das Erlebte bei einem Vin und einem Bière nachwirken.