
Weiterbauen

Nach längerem Baustillstand scheint es am Bahnhof Warschauer Strasse, dem Einfallstor zur Partyzone Berlins, endlich wieder loszugehen. Seit kurzem dreht sich ein großer Kran über dem Bahnhof und ein Baugerüst überspannt den Zugang zu den Bahnsteigen. Der vordere Teil des neuen Bahnsteigs wurde ausgehoben und wird nun sicher bald vollendet. Damit beginnen dann vermutlich auch die Arbeiten am neuen Bahnhofsgebäude, da es ja sonst keines Krans bedarf. Ein Ende des provisorischen und nach wie vor nicht barrierefreien Bahnhofs ist damit hoffentlich absehbar. Falls mal was klappt in Berlin. So bautechnisch.
Der Wächter
Als ich letzte Woche irgendwann mit der S-Bahn durch den Bahnhof „Oranienburger Straße“ fuhr, habe ich mich fast ein wenig erschrocken. Nahm ich doch aus dem Augenwinkel ein Wesen wahr. Rot und dunkel glänzendes Metall, ausgebreitete Arme, bewaffnet mit Ketten und einem starren Blick. Das musste ich mir näher ansehen. Beim nächsten Mal stieg ich also aus und machte mich auf die Suche. Irgendwo musste er sich ja versteckt haben. Ich pirschte mich mit meiner Kamera langsam den Bahnsteig entlang, vorsichtig, ich wollte ihn ja nicht erschrecken. Durch die einfahrende S-Bahn abgelenkt, konnte ich schnell das außergewöhnliche Portrait schießen, dann sprang ich auch schon in die nächste S-Bahn stadtauswärts. Geschafft. Voila: Der S-Bahn-Wächter.
Roll, Roll
Bereits die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste wusste die Vorteile des Rollens zu schätzen, kam sie doch auf diese Weise schnell und mühelos den Berg hinab. Trotzdem dauerte es noch ein ganzes Weilchen bis sich dieses Prinzip auch bei den Koffern durchsetzte. Erst ein Pilot in den 80er Jahren hatte die zündende Idee und montierte zwei Rollen direkt an den Koffer. Ein ausziehbarer Griff ermöglichte das einfache hinterherziehen dieses Koffers.
Er war nicht der Erste der die Idee hatte, Rollen gab es schon länger, aber bis dahin zog man die Koffer umständlich an einem Gurt hinter sich her. Das war wenig attraktiv und es wollte auch kein Händler verkaufen. Früher war es durchaus auch noch üblich Träger zu beschäftigen, die einem die Koffer hinterhertrugen. Das war auch gleichzeitig ein sichtbares Statussymbol. Wer sich keine Träger leisten konnte, musste seine Koffer halt selbst tragen. Da das Reisen in den 80er Jahren immer mehr zunahm, Flugreisen wurden erschwinglich, Dienstreisen nahmen zu, setzte sich das Prinzip dann schnell durch und heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es jemals Koffer ohne Rollen gegeben hat. Danke Robert Plath.
Ab durch die Mitte
Wenn ich mit dem Zug von Berlin nach Frankfurt fahre, gehts ja normalerweise ums Eck. Erst fährt der ICE von Berlin aus rund zwei Stunden nach Westen, bevor er hinter Hildesheim abrupt nach Süden abbiegt, die Geschwindigkeit auf 250 km/h erhöht und sich ab dann überwiegend in Tunneln aufhält. Da diese Strecke bei Magdeburg durch Hochwässerschäden aber aktuell gesperrt ist, fahren wir jetzt den mehr oder weniger direkten Weg nach Frankfurt. Leider fällt für mich dabei der Ostbahnhof als Startort weg. Ist sonst sonst sehr praktisch vor der Haustür einsteigen zu können.
Nun muss ich also zum Hauptbahnhof in den kalten Keller, wo der ICE bereitgestellt wird. Immerhin der klassische Einser, somit ist genug Platz. Auch in der ersten Klasse. Nach kurzer Aufwärmphase hält er noch schnell am Südkreuz, bevor er richtig Gas gibt und versucht Brandenburg schnellstmöglich zu durcheilen. Dabei tangiert er Orte wie Bülzig und Zörnigall. Nie gehört. Aber endlich mal was anderes als das große „Nichts“ zwischen Spandau und Wolfsburg. Wir fahren aber auch durch die Klassiker, Lutherstadt Wittenberg, Halle und Bitterfeld, was ich von ’69 ganz anders in Erinnerung hatte, irgendwie …. farbiger und geruchsintensiver, und erreichen dann bei Naumburg/Saale das Unstruthtal. Wir sind in Thüringen. Weiterlesen „Ab durch die Mitte“
Treppauf, Treppab
Jeden Dienstag, nach Büroschluss, führt mich mein Weg in den Rudolfkiez in Friedrichshain. In einem Backsteinloft am Ende der U-Bahn Abstellanlage der U 1 befindet sich ganz oben unter dem Dach das „Expert-Training“. Früher hieß es mal „Kieser-Training“, aber man hat sich irgendwie verkracht. Eine Weile war auch die Abbuchung der Mitgliedsbeiträge etwas chaotisch, der frühere Franchisenehmer hatte angeblich was damit zu tun, aber zwischenzeitlich funktioniert wieder alles.
Jeden Dienstag, es ist wichtig es regelmäßig zu tun, ersteige ich beschwingt die Treppe in der Rudolfstraße, und hole mir am Tresen meinen Spindschlüssel ab. Im Gegensatz zum klassischen Fitnesscenter ist es ruhig und entspannt. Einzelne Männer und Frauen sitzen an den verschiedenen Geräten und ziehen, stoßen oder drücken 90 Sekunden lang ihre Gewichte. Ich ziehe mich um, starte im iPhone die Kieser APP und beginne mit dem Training. 10 Stationen, jeweils 12 Wiederholungen, rund 30 Minuten lang, schön langsam. Muskelaufbau. Irgendwann habe ich mal ausgerechnet was ich pro Training an Gewichten bewege. War ne ganze Menge.
Jeden Dienstag, auch wenn ich mich manchmal motivieren muss, tausche ich, ungefähr 40 Minuten nach Trainingsbeginn, wieder Schlüssel gegen Mitgliedskarte und trolle mich von dannen. Meine Muskeln fühlen sich gut an, ich kann wieder aufrechter gehen. Muss mich nicht so hängen lassen. Das Grundprinzip dieses Trainings ist es ja die Muskulatur zu stärken, die dann, solcherart gestärkt, den Rücken unterstützt. An der Treppe zur U-Bahn-Station Warschauer Straße merke ich zwar meine Beinmuskeln, aber ich komme ohne zu japsen oben an. Der Weg nach Hause vergeht fast wie im Trance, dann wartet die Couch.
Nächsten Dienstag warten sie wieder auf mich. Erst die Treppen. Dann die Gewichte. Dann die Couch. Dienstag, ein fixer Punkt im Ablauf der Gezeiten.
Reserviert
Verdutzt rieben sich die Menschen heute morgen gegen halb acht auf dem Weg zum Hauptbahnhof die Augen. Hatte die unselige Angewohnheit der Deutschen und Engländer, die Liegen am Urlaubsstrand morgens in aller Herrgottsfrühe schon mit Handtüchern zu belegen, nun auch den Capital Beach erreicht? Alle verfügbaren Liegen waren weithin sichtbar mit roten Handtüchern belegt.
Ein weißer Schriftzug darauf wies dann allerdings schnell die Lösung. Eine Online-Buchungsplattform, beziehungsweise App, für Hotels, verlängerte kurzerhand – gefühlt – das Urlaubsfeeling der wieder zurückgekehrten Berlinerinnen und Berliner und drapierte die roten, kuscheligen Tücher entlang des Spreebogens. Nach der Aktion – gegen zehn Uhr – konnten diese direkt von den Gästen mitgenommen werden. Für uns das perfekte Utensil für einen herrlichen Wannseetag mit den Enkelkindern.
Westwing
Nach zwei Tagen Workshop im Westflügel des Berliner Hauptbahnhofes habe ich heute Nachmittag wieder das Licht der Sonne erblicken dürfen. Nach Powerpointfolien, Flipcharts und Whiteboards endlich wieder echtes Leben. Zur Akklimatisierung habe ich mir erst mal ein frisches Eis gegönnt und mich kurz auf dem Washingtonplatz in die Sonne gestellt. Die Eindrücke nach den zwei Tagen müssen sich jetzt setzen und danach geht es an die Umsetzung der erzielten Ergebnisse. Das Jahr wird vermutlich nicht reichen, aber vielleicht können wir die Zeit zwischendurch anhalten oder dehnen. Am Ende des Jahres wissen wir mehr.
Fettgebackenes
Auf dem Weg vom Büro zur Straßenbahn, wehte mir die Tage, kurz vor der Haltestelle, immer ein leichter Hauch von etwas nicht direkt Greifbarem in die Nase. Während das Gehirn noch versucht diese Geruchsinformation etwas Bekanntem zuzuordnen, ist es auch schon vorbei und man steht in der üblichen, aktuell kalten, Berliner Luft und wartet auf die Straßenbahn.
Heute bin ich die Bernauer Straße etwas weiter nach oben gelaufen um ein paar Tagesfotos zu bekommen und da stoße ich im Schatten des Nordbahnhofs auf die Quarkkeulchenbude und plötzlich passt alles zusammen. Die Synapsen schließen sich kurz, freuen sich über die neue Erkenntnis, Fettgebackenes=Lecker und melden: Hunger. Drei Stück der leckeren kleinen Teilchen haben bei WW übrigens 15 Punkte, sind also definitiv nichts für die Frühlingsdiät, aber völlig okay für einen hart arbeitenden Eisenbahner.
Zerstörung

Mit schwerem Gerät geht der Abriss der beiden Bahnsteige am Bahnhof Warschauer Strasse weiter. Es muss Platz geschaffen werden, für den Aufbau der neuen Bahnsteige und des Empfangsgebäudes. Die Betonpfeiler die einst die Dächer trugen und deren Fundamente tief in der Erde verankert sind, müssen freigelegt und dann zerkleinert werden. Es ist interessant wie schnell und umfangreich diese Arbeiten vonstatten gehen. Vor nicht allzulanger Zeit ging ich noch über eine Treppe auf den Bahnsteig Richtung Innenstadt, alles weg. Der vietnamesische Zigarettenverkäufer, der genug Raum zum Bunkern hatte, steht jetzt „nackt“ da, wenn er überhaupt noch auftaucht. Die Bagger werden sicher noch eine Weile ihrem zerstörerischen Werk nachgehen, aber bald wird der Bahnhof Warschauer Straße wie Phönix aus der Asche wieder auferstehen.








