Wenn dieser Beitrag erscheint, ist die letzte Folge der ZDF-Krimiserie „Mordufer“ bereits gelaufen. Die Serie besteht aus vier Folgen und spielt am nordwestlichen Ende des Bodensees. Dreh- und Angelpunkt ist dabei Überlingen.
Wenn man Filme oder Serien schaut, die genau dort spielen, wo man selbst lebt, hat man irgendwie einen anderen Blick auf das Geschehen. Ich achte dann mehr darauf, wie und wo sich die Protagonisten bewegen, als auf die eigentliche Handlung. So ging es mir natürlich auch hier.

In der ersten Folge macht sich Kommissarin Doro Beitinger auf den Weg zu ihrer neuen – oder besser gesagt alten – Arbeitsstätte, dem Standort der Kriminalpolizei in Überlingen. Dabei fährt sie mit dem Auto mehrfach an der Silvesterkapelle Überlingen vorbei in Richtung Sipplingen, einem Nachbarort, nur um kurze Zeit später am genau entgegengesetzten Ende der Stadt wieder anzukommen.
Aber das ist man aus Film und Fernsehen ja gewohnt: Schon in Berlin war es faszinierend zu sehen, wie schnell und auf welchen verschlungenen Wegen sich Figuren durch die Stadt bewegen. Warum sollte es hier am Bodensee anders sein?


Die beiden Fotos hier zeigen das fiktive Polizeipräsidium, das für die Dauer der Dreharbeiten in das Schloss Rauenstein verlegt wurde. Dort trifft Doro Beitinger auch auf ihre neue Chefin, die jüngere Chiara Locatelli, was zunächst für leichte Irritation sorgt. Auch Kollegen vom Zoll scheinen dort zu arbeiten.
Das idyllisch gelegene Schlösschen in bester Lage Überlingens steht bereits seit einiger Zeit leer und konnte daher gut für diese Aufgabe genutzt werden. Sämtliche Innenaufnahmen der Polizeiarbeit wurden ebenfalls dort gedreht.


Gleich der erste Mordfall – eine verbrannte Frau – führt die beiden Kommissarinnen direkt ans Bodenseeufer. Allerdings nicht in Überlingen, wie man vielleicht vermuten würde, sondern ein Stück weiter östlich nach Unteruhldingen. Die Locationscouts hatten hier offenbar die besseren Möglichkeiten für die Dreharbeiten gefunden.
Ich habe eine ganze Weile darüber gegrübelt, wo sich der erste Tatort in der Realität befindet, aber die folgenden Fotos lieferten dann die Auflösung – die Kirche in Unteruhldingen ist schließlich recht markant. Und obwohl die Dreharbeiten mindestens ein halbes Jahr zurückliegen, finden sich am Ufer immer noch angekokelte Steine. Das Wasser des Bodensees ist bislang offenbar noch nicht hoch genug gestiegen, um diese Hinterlassenschaften zu beseitigen. Gut für mich 😉


Natürlich dürfen in keinem Krimi die Pathologie und die Kriminaltechnik fehlen. Was wären die Ermittler ohne ihre Kollegen in den weißen Anzügen? Die verdrehen nicht selten die Augen, wenn die frisch am Tatort eingetroffenen Polizisten fragen, ob man denn schon wisse, ob die Leiche gewaltsam ums Leben gekommen ist – am besten gleich mit exaktem Todeszeitpunkt und klarer Todesursache. So schnell geht es dann aber doch meist nicht. Schließlich braucht es noch ein paar überraschende Wendungen, um den Zuschauer zu fesseln und bei Laune zu halten.


Im ersten Mordufer-Fall schien die Todesursache zunächst eindeutig – eine verkohlte Leiche lässt schließlich wenig Raum für Spekulationen. Doch wir sind hier immer noch in einem deutschen Krimi, und da ist bekanntlich nichts so einfach, wie es aussieht. Also wandert die Leiche pflichtbewusst in die Pathologie – in unserem Fall auch in Überlingen angesiedelt – wo man der vermeintlichen Gewissheit noch ein paar Fragezeichen hinzufügen darf.
In allen vier Folgen fahren unsere Kommissarinnen dazu wiederholt am „Haus der Vereine“ vor, um sich vom Pathologen Gregor Eisen über die Todesumstände der Opfer aufklären zu lassen. Das markante Gebäude wird durch den Telekomturm gekrönt und hat ein wenig von dem Architekturstil des Brutalismus.

Am Ende jeder Folge sitzen die beiden Kommissarinnen auf einer Bank im Garten von Schloss Rauenstein und lassen den Fall noch einmal Revue passieren. Ein Ritual, das sich offenbar fest im Baukasten deutscher Fernsehkrimis verankert hat – Beispiele gibt es schließlich genug.


Von dort oben bietet sich ein weiter Blick über den östlichen Bodensee – hinüber zur Insel Mainau und bei klarem Wetter bis zu den Appenzeller Alpen. Ein versöhnlicher Abschluss für jeden Fall, der zuvor doch immer von Leid und Trauer geprägt ist.
Wer die vier Folgen von „Mordufer“ noch nicht gesehen hat: Sie stehen natürlich in der ZDF-Mediathek bereit. Es wäre schön, wenn es eine weitere Staffel gäbe – der Bodensee ist schließlich eine großartige Kulisse, und Überlingen sowieso. Und es muss ja nicht immer „Nord Nord Mord“, „Nord bei Nordwest“ oder „Morden im Norden“ sein – das können wir im Süden mindestens genauso gut. Also: fleißig anschauen, damit die Quote stimmt 😉

