Monotonie

Wellenbrecher in Zingst

Es ist wie es ist,
sagt man sich, doch wagt man nicht,
sich zu fragen wie es wär‘,
einen anderen Blickwinkel zu haben.

Stoisch, Tag ein und Tag aus
lebt man so hin, wo bleibt denn der Sinn
sich nicht zu fragen:
Wo kommt sie her, die Monotonie?

Ist es egal, so ganz egal
wenn irgendetwas anders wär‘?
Was Neues muss her! Was Altes bleibt weg!
Und die Monotonie fällt gänzlich raus.

Carina Dreißig

Gute Reise

Älterer Mann vor ICE - schwarz-weiss

Es war eine herrliche Winternacht;
Ich habe Dich schweigend zum Bahnhof gebracht,
Und auf der Heide im Mondenstrahl
Da küßt‘ ich Dich zum letzten Mal.

Wie flossen so schmerzlich beim letzten „Ade“
Die brennenden Thränen hinab in den Schnee!
Dann riefen die Glocken — es kam der Zug,
Der fort mein Liebstes auf ewig trug.

Er brauste von dannen — ich stand allein
Bis fern erlosch der Laternen Schein;
Dann kehrte ich stumm in die Heide zurück:
Ade, meine Liebe! Ade, mein Glück!

August Freudenthal Quelle: Deutsche Gedichtebibliothek

Wintereinbruch in Berlin

Rodelbahn am Potsdamer Platz

Kaum sind die letzten Buden der Herbstmärkte weggeräumt und die Lichter des FoL erloschen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Wenn am Potsdamer Platz die Arbeiter erstmal wieder die Stangen zusammenschrauben und die Abdeckplane weiß in der Herbstsonne glänzt ist klar: Der Winter kommt. Zwar ist und bleibt er an diesem Ort künstlich, aber bald wird es hier wieder nach Glühwein riechen und Berge von Bratwürsten wechseln die Besitzer.

Denn Zeit ist Geld und je früher der Rubel rollt, desto besser für die Veranstalter der Märkte. Bereits am nächsten Wochenende geht es los, dann rollen die Tubes mit kreischenden Teenies die 70 Meter lange Rodelbahn herunter und der tauende Schnee tropft auf die Passanten. Wer mag, kann sich beim Apres Ski in der Original Salzburger Schmankerl-Hütte Rindfleischsulzerl, Gebirgsräucherforelle, oder Kaspreßknödel schmecken lassen. Ski heil und wohl bekomms.

Lichtmalerei auf Zingst

Der Zingster Bodden als Farbspielerei

Ganz Zingst besteht eigentlich nur noch aus Fotografie. Ob Open-Air Galerie, oder Galerie im Kunsthotel, überall Bilder namhafter Naturfotografen. Aber auch viele Nachwuchstalente stellen aus, insgesamt eine sehr fruchtbare Atmosphäre, die anregt selbst auch Kunst zu generieren.

Mit dem Fahrrad ist man nach rund 20 Kilometern am Zingster Bodden und genießt den Blick über Strandhafer, Salzwiesen, Brackwasser und wenn man die Augen zusammenkneift, sieht es in etwa so aus wie auf meinem Bild.

Um das Abstrakte nun zu simulieren, stelle ich die Kamera auf eine hohe Blende (f22) und bekomme so eine Belichtungszeit die es mir ermöglicht die Kamera zu „ziehen“ (1/40). Nicht vegressen den IS auszuschalten, da er sonst versucht die Bewegung zu eliminieren. Ein paar Versuche braucht es, dann ist die Lichtmalerei im Kasten und passt ausgedruckt wundervoll an die heimische Wand.

Es werde Licht

Festival of Lights - Berliner Dom

Es ist ein wenig wie „Groundhogday“. Erster Gedanke: „Ach herrje, ist es schon wieder so weit?“ Es wird wieder früh dunkel, und damit trotzdem noch Besucher nach Berlin kommen, hat man vor ein paar Jahren das „Festival of Lights“ erfunden. Bekannte Gebäude werden mehr oder weniger spektakulär illuminiert und von Fotografen millionenfach auf die Speicherkarte gebannt. Viel Neues gibt es in diesem Jahr nicht. Die Animationen am Brandenburger Tor waren aus meiner Sicht das Beste, der Rest wie immer. Let the Show go on.

Sympathieträger

Rotkehlchen auf einem Ast

Während in Berlin heute mehr als 100.000 Menschen gegen TTIP protestieren und wir uns langsam von dem Schrecken erholen, dass heute Nacht mitten im Wohngebiet unser Wohnmobil aufgebrochen und als Nachtlager benutzt wurde, suche ich im Bestand meiner Urlaubsfotos mal nach etwas Beruhigendem und bin bei einem kleinen, unerschrockenen Rotkehlchen gelandet.

Seine Bekanntschaft habe ich in diesem Jahr am Hallstatter See gemacht. Auf dem Campingplatz in Obertraun-Winkl, wo wir 3 Tage Rast auf unserer Österreichtour eingelegt haben, hatte ich endlich mal die Muße und die Möglichkeit kleine Piepmätze zu fotografieren. Jeden Abend tobten die drei Geschwister über den Platz und hatten auch keine Scheu, ganz nah zu mir zu kommen. Wenn ich mich still verhielt. So konnte ich mit dem 40-150mm und meiner OM-D – trotz Fluchtdistanz – die Bande nach und nach formatfüllend auf den Speicher bekommen.

Der Flug der Kraniche

Ein Schwarm Kraniche gegen einen Sonnenuntergangshimmel

Gegen halb sechs steht die „River Star“, ein Original Mississippi Schaufelraddampfernachbau, ruhig am Ende des Zingster Boddens, unmittelbar neben der Meininger Brücke. Die ist gerade geöffnet und lässt ein paar Segler durch. Doch die Passagiere haben dafür kein Auge, die sind alle Richtung Süden gerichtet. Von dort sollen sie gleich kommen, die Kraniche. Weiterlesen „Der Flug der Kraniche“

Roter Mond

Blutmond am Himmel von Berlin

Wenn in früheren Zeiten ein solches Ereignis am Nachthimmel erschien, wurde es sicher als Omen für kommende Unglücke betrachtet. Nicht nur eine normale Mondfinsternis, an sich schon ein Zeichen, nein, der Mond leuchtet im Erdschatten auch noch rot. Daher der Begriff: Blutmond. Ein relativ seltenes Ereignis. Wenn der Mond dann noch besonders dicht an der Erde „klebt“ wirkt er noch größer und bedrohlicher. Weiterlesen „Roter Mond“

Meeresrauschen

Charlie Brown auf einem Wellenbrecher an der Ostsee

Moin, Moin, jetzt waren wir doch erst drei Wochen in den Bergen unterwegs, haben uns die Welt mal aus 3.250 Meter Höhe angeschaut, nur um eine Woche später auf 0 Meter über Normal Null wieder aufs Meer zu schauen. Wir genießen den Ausblick natürlich in Warnemünde, the Place to be. Für uns.

Irgendwie sind wir nicht so die Bergfexe. Die Sicht reicht nur bis zum nächsten Berg, um mehr Überblick zu bekommen muss man erst hoch hinaus, danach dann wieder runter. Auch um von a nach b zu kommen, kurbelt man meist erst kleine Sträßchen hoch, nur um auf der anderen Seite wieder hinunter zu fahren bis die Bremsscheiben glühen.

Da ist der weite Blick, hinaus übers Meer, die Gedanken träumen sich in ferne Länder, doch eher unser Ding. Also eher Strandläufer als Bergfexe. Noch dazu, wenn der Traumstand nur einen Katzensprung von zu Hause entfernt ist. Meer ist eben doch mehr.

Sterngucker

Charlie Brown vor einem Spiegelteleskop

Bevor wir wieder in die Großstadt zurückkehren, treffen wir uns am Samstag noch mit einem lieben Arbeitskollegen an einem der dunkelsten Orte in Brandenburg. Dunkel bedeutet für Astronomen die Abwesenheit von Licht, möglichst komplett. Der Ort Jeßnigk bietet einen Wert von 6.5 mag und besser, was immer das genau bedeuten mag. Leider glänzt der Samstag deutschlandweit auch durch die Abwesenheit von klarem Himmel, so dass es zwar dunkel ist, man aber trotzdem nichts sehen kann.

Als die Sonne gegen acht untergeht, lockert der Himmel allerdings etwas auf und leichte Hoffnung keimt auf. Zumindest bei mir. Die rund 300 anwesenden Hobbyastronomen beim 16. HTT sind da etwas pessimistischer und halten sich lieber an Wein und Bier. Sie glauben nicht mehr an ein Wunder. Ich muss ja, schließlich bin ich extra deswegen hier in die Einöde gekommen. Und das Warten wird auch belohnt.

Als ich um halb zehn wieder mal nach oben schaue um die Lage zu peilen, verstehe ich endlich den Sinn des Liedes: „Weißt du wie viel Sternlein stehen?“. In Berlin ist das einfach zu beantworten: 5! Hier in Jeßnigk erschlägt mich der Blick nach oben. Sterne über Sterne, Tausende, inklusive Milchstraße. WOW. Ich bin begeistert. Die Profis eher so: Naja, könnte besser sein. Ich darf sogar mal in ein Spiegelteleskop nach einem Ringnebel schauen, aber der grandiose Blick einfach nach oben an das große Himmelszelt ist ungleich faszinierender. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, alles zieht wieder zu. Aber für diese Stunde hat sich die Reise gelohnt.