Shuffle Mode

Fortbewegung wie auf rohen Eiern - Foto: h|bFortbewegung wie auf rohen Eiern – Foto: h|b

Heute morgen schreckt mich eine krächzende und scheppernde Lautsprecherstimme aus dem Straßenbahnnickerchen. Die BVG Leitstelle teilt mit, dass beim Aussteigen Vorsicht geboten sein, da es glatt sein könne. Mein ungläubiger Blick aus dem Fenster zeigt eine normale, leicht nasse Strasse. Es nieselt. Und genau das ist der Knackpunkt. Der Nieselregen trifft nämlich auf gefrorenen Boden. Das Ergebnis: Blitzeis.

Als ich am Nordbahnhof aussteige und probehalber ein wenig herumwutsche, merke ich es sofort. Glatt. Sehr glatt. Arschglatt. Alle Menschen um mich herum, bewegen sich spontan nur noch mit kleinen Trippelschritten vorwärts. Das kleine Kopfsteinpflaster ist in der Tat so rutschig wie Schmierseife. Wer weiß, wie viele jetzt ohne die Warnung bereits am Boden lägen. Also danke liebe BVG, auch wenn ich erst ein wenig genervt war. Ach ja, bis heute Abend zählte die Rettungsleitstelle in Berlin knapp 1000 Unfälle und Verletzte. Viele davon mit Prellungen und Brüchen.

Wir haben es satt

Straßenbilder

Ausstellung in der "Fotogalerie Friedrichshain" - Foto: h|bAusstellung in der „Fotogalerie Friedrichshain“ – Foto: h|b

Manchmal frage ich mich ja so halb im Spaß, warum ich eigentlich noch keine Vernissage hatte? Ich gehe ja inzwischen öfters in Fotoausstellungen und Galerien und je nach Thema finde ich dort vieles, was so oder ähnlich auch auf meinen Festplatten liegt. So auch in der aktuellen Ausstellung in der Friedrichshainer Fotogalerie am neugestalteten Helsingforser Platz. Uwe Glanz, Baujahr 1956, fotografiert seit 30 Jahren in Berlin. Zu DDR-Zeiten im Jugendclub Impuls im Prenzlauer-Berg fotografisch aktiv, begleitete er das Ende der DDR und den anschließenden Umbruch. Mauerbilder, Mauerspechte, die noch reichlich vorhandenen Brachen prägen den ersten Teil der Ausstellung. Später dann Streetfotografie im eigentlichen Sinne, Menschen in Berlin. Das Meiste in schwarz-weiss, immer noch das bevorzugte Stilmittel für „Straßenbilder“. Es gibt auch farbige Fotos, aber das Publikum kann mit der klassischen Ausprägung dieses Genres sichtbar mehr anfangen. Insgesamt eine gut kuratierte Ausstellung die man sich anschauen kann.

Down by the river

Skyline Frankfurt bei Nacht

Städte durch die sich ein Fluss zieht, haben schon ein besonderes Flair. Man kann am Ufer sitzen, dabei den Schiffen zusehen, oder daran entlang spazieren gehen, im Sommer die Kühle genießen und vieles mehr. Wenn dann der Fluss noch eine malerische Kulisse, wie die beleuchtete, nächtliche Skyline von Frankfurt spiegeln kann, wirkt das alles gleich noch viel magischer. Der linke schwarze Block ist für heute Nacht mein zu Hause und mein Blick aus dem Zimmer im elften Stock breitet das ganze Frankfurt-Panorama vor mir aus. Wie 3-D Kino in HD.

Blaue Stunde

Blaue Stunde am Elbufer in Dresden - Foto: h|bBlaue Stunde am Elbufer in Dresden – Foto: h|b

So lange in Deutschland der Winter noch auf sich warten lässt, nutzen wir die Gunst der Stunde und schauen uns mit unserem Wohnmobil noch ein bisschen um. Dieses Wochenende sind die Würfel auf Dresden gefallen, sah das Wetter in der Vorschau dort am ehesten nach Sonne aus. Es war zwar in der Realität ein Wolken-Sonne-Mix, aber prima zum laufen und fotografieren. Der Stellplatz für Wohnmobile liegt – mit Blick auf die Altstadt – dieser direkt gegenüber und ist nur zu empfehlen. Zentraler kann man kaum stehen.

Nach dem andocken gehen wir über die Augustusbrücke und sind in 10 Minuten am Neumarkt mit der Frauenkirche, dem Zwinger, dem Altmarkt, dem Residenzschloss und was sich dort im direkten Umfeld alles so tummelt. Nach Kaffee und Kuchen mit Blick auf die Frauenkirche schlendern wir durch die Stadt, sehen den Gauklern zu und bewundern etwas später die vielen Putten auf dem Zwingerundgang. Auf dem Altmarkt baut übrigens Bergmann Events, wer auch sonst, gerade den Dresdner Winterzauber auf. Ist schon klar, irgendwo müssen ja die Buden, die jetzt von der Winterwelt am Potsdamer Platz und dem Weihnachtsmarkt am Alex übrig sind, weitervermarktet werden. Im Gegensatz zu Berlin haben sie allerdings dort vernünftigerweise keine Schneerodelbahn, sondern nur eine ganz normale, aus Plaste.

Abends, wir liegen schon dick eingekuschelt lesend im Wohnmobil, gibt es zu unserer Ankunft noch ein verspätetes Willkommensfeuerwerk der Extraklasse. Danke Dresden. Über den morgendlichen Glockenterror, ab kurz vor acht glockt es fast ununterbrochen aus allen Kirchen der Stadt, müssen wir allerdings noch mal reden. So ein klein wenig ausschlafen wäre schon nett 😉

Ein schöner Traum

Friedhof der Weihnachtsbäume - Foto: h|bFriedhof der Weihnachtsbäume – Foto: h|b

Eben noch stand er ordentlich aufgereiht mit vielen seiner gutgewachsenen Brüder in einer Berliner Baumschule. Die spitzen, grünen Nadeln leuchteten silbern in der Sonne, bevor eine Säge dem Idyll ein vorübergehendes Ende bereitete. Eingeschnürt in ein engmaschiges Netz wurde er zu einer Wohnung gebracht, in der er sich dann wieder entfalten konnte.

Er reckte seine dichten Zweige in alle Richtungen und kaum hatte er sich an sein neues Zuhause gewöhnt, wurde er wie ein König geschmückt. Silbernes Lametta, goldene Kugeln, er wurde mit Kerzen verziert und als Krönung kam – ganz oben auf seine kerzengerade Spitze – die Engelsfigur, mit den fein gesponnen Haaren und den silberhellen Glöckchen.

Er drehte und wendete sich und konnte sich gar nicht sattsehen. Am Heiligabend endlich, lagen Geschenke unter ihm verteilt, Kinderaugen leuchteten mit den Kerzen um die Wette und schöne Lieder erklangen vom Plattenspieler. Das, dachte sich der Weihnachtsbaum, der früher einfach nur ein Tannenbaum gewesen war, eine Nordmanntanne um genau zu sein, muss der Himmel sein.

Aber ach, schon bald, verlor er die ersten Nadeln. Es war viel zu warm in der Wohnung und der Stamm nahm schon länger kein neues Wasser mehr auf. Der herrliche Schmuck war bereits wieder auf dem Dachboden und die Familie wartete bereits ungeduldig auf den Zeitpunkt im neuen Jahr, wo es erlaubt sein würde, ihn endlich wieder aus der Wohnung zu bekommen.

Nun liegt er, wieder mit vielen seiner Brüder, traurig auf den Bürgersteigen Berlins und wartet auf die Müllabfuhr. Die wird bald kommen, um ihn und die vielen Anderen abzuholen. Zur Verbrennungsanlage wird er gefahren und darf dann, zum letzten Mal in seinem kurzen Leben – in Form von Wärme – die Herzen der Berliner erfreuen.

Morgenzwitschern

Sonnenaufgang am Nordbahnhof in Berlin - Foto: h|bSonnenaufgang am Nordbahnhof in Berlin – Foto: h|b

Heute morgen war ich doch kurzfristig verwirrt. Nachdem ich meine Augen endlich offen hatte, war es wie üblich stockdunkel. Wie jeden Morgen um halb sieben. Passt ja auch zur Jahreszeit. Was mir aber gar nicht zu passen schien, war das fröhliche Tschilp, Tschilp, draussen vom Baum im Innenhof. Nicht das übliche Spatzenschimpfen, oder das Krächzen der Krähen, sondern eher so wie eine verirrte Nachtigall. Oder war’s die Lerche?

Auf jeden Fall ein melodisches Pfeifen, was mich sonst eher im März fröhlich stimmt, da ich weiß, dass die dunkle Jahreszeit nun vorbei ist. Hat sich jemand verirrt? Vergessen in den Süden zu ziehen? Nein, weit gefehlt. Wie ich der anschließenden Morgenlektüre der Tageszeitung entnehmen konnte, was ein Zufall, ist es gar nicht unüblich dass Blau- oder Kohlmeisen bereits im Januar die Menschen mit ihrem Gesang erfreuen. Laut Lars Lachmann vom Nabu sind sie durch das milde Wetter bereits seit Weihnachten aktiv und singen auch kräftiger als sonst.

Dann sage ich doch mal „Dankeschön“ und hoffe natürlich ab sofort jeden Morgen so geweckt zu werden. Da kann es ruhig noch eine Weile dunkel bleiben.

An einem Sonntag in Treptow

Der tägliche Wahnsinn in Berlin - Foto: h|bDer tägliche Wahnsinn in Berlin – Foto: h|b

Der Makler der um kurz vor halb vier in Treptow an der Baumschulenstraße 84 eintrifft ist leicht irritiert. „Ich hoffe sie warten alle auf den Bus?“ begrüßt er die ca. 30-40 Herumstehenden, die ihm aber den Gefallen nicht tun wollen. Es wartet nämlich keiner auf den Bus, sondern alle auf die Wohnungsbesichtigung der Einraumwohnung im Hinterhaus. Zu bisherigen Terminen waren wohl immer nur 2-3 Leute gekommen, die Wohnung steht schon länger zur Vermietung, weswegen er auch heute nur 10 Exposees dabei hat. Die Mietwilligen werden kurz in kleinen Gruppen durch die Wohnung gelassen, was aber in knapp 10 Minuten erledigt ist und dann gebeten im Hof zu warten. Draussen nieselt es als passende Begleitung grau von oben auf die Wohnungssuchenden herunter. Nach einer kleinen abschließenden Ansprache zur Wohnung auf dem Hof ist die Sache dann auch schon erledigt.

Nicht dass jemand denkt, wir suchen was Neues, nee, 30 Quadratmeter wären doch etwas zu klein, aber unsere Tochter hat die Nase voll von ihrer WG und möchte gern wieder allein wohnen. Sie hätte die Wohnung natürlich gern, für eine Person ist sie recht schnuckelig, noch dazu frisch renoviert und relativ preiswert, aber leider liegt es in der Entscheidung der Wohnungsgesellschaft und die schaut nur auf das Exposee. Darauf fusst letztendlich die Entscheidung am kommenden Mittwoch, auf die man nach der Abgabe keinen Einfluss mehr hat. Ehrlich gesagt, bin ich bei der aktuellen Wohnungssituation in Berlin heilfroh keine Wohnung suchen zu müssen.

Klare Kante

Muss ja auch mal gesagt werden - Foto: h|bMuss ja auch mal gesagt werden – Foto: h|b

Damit wir hier nicht zu sehr ins philosophieren geraten, gleich mal zu Anfang des Jahres eine klare, bildliche Botschaft aus Berlin-Kreuzberg. Sie geht prophylaktisch an alle, die uns dieses Jahr quer kommen wollen und für den Anfang darf sich gleich mal ein großes deutsches Unternehmen einreihen, wenn zutrifft, was aktuell in den Medien kolportiert wird. Noch ist zwar nichts bestätigt, allerdings auch nichts dementiert. Ach ja, dieser Beitrag wird hiermit für beendet erklärt. Basta!

Endlose Weite

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Ich glaube ich vermisse es jetzt schon. Das endlose Schauen über das Meer. Fünf Tage lang hatte ich einen Blick aus dem Hotelfenster oder vom Strand, zu einem Horizont, der an seinem Ende mit dem Himmel verschmilzt. Oben und unten werden zu Eins. Der Unterschied zu einem Häusermeer, in dem ich ja sonst wohne, ist eben genau dieser Blick, der von nichts unterbrochen wird, schon gar nicht von der nächsten Häuserwand auf der anderen Straßenseite. Ich denke auch deswegen liegen mir die Küsten eher als die Berge. Für einen ähnlich weiten Blick muss man dort erst hoch hinauf.

Es wird mir dann auch klar, warum nur Länder mit einer Küste Seefahrernationen werden konnten. Man steht am Ufer des Meeres und es zieht einen regelrecht hinaus. Täglich mit der immerwährenden Frage konfrontiert: Was kommt hinter dem Horizont? Wie geht es dort weiter? Heute gibt es ja keine Enden mehr, alles wurde vermessen und entdeckt und hinter jeder Ecke geht es immer noch weiter. Schiffe fahren über alle Weltmeere und jede noch so noch so kleine Insel ist kartografiert. Aber vorstellen kann ich mir schon, wie es damals gewesen sein muss, als eben nichts klar war. Als man einfach lossegeln musste, ganz ohne Google Maps oder fertige Seekarten, um selber zu schauen, wie es weitergeht.

Das neue Jahr liegt ja nun ebenfalls in seiner epischen Weite vor uns. Leider, oder Gottseidank, gibt es auch in der heutigen, modernen Zeit dafür keine fertigen Karten. Wir müssen einfach lossegeln, wie einst die großen Seefahrer. Selber um die Ecken oder über den Horizont spähen und überlegen, ob sich das weitergehen hier lohnt, oder vielleicht besser an einer anderen Stelle. Aber losgehen müssen wir, stehenbleiben gibt es nicht. Wir versuchen dabei unseren eigenen Horizont zu erreichen, nur um festzustellen, dass es dahinter tatsächlich weitergeht. Am Ende des Jahres dürfen wir dann kurz ausruhen und innehalten, bis es wieder heisst: Los gehts, nicht stehenbleiben! Auf zu neuen Ufern!