Pointe de St-Mathieu

Leuchtturm an der bretonischen Atlantikküste
Der Leuchtturm am „Pointe de St-Mathieu“ – Foto: h|b

Heute gehen wir auf Leuchtturmfang entlang der Küste. Vom „Pointe du Raz“, dessen Leuchtturm bereits gestern abgehakt wurde, über den „Pointe du Van“, der statt Leuchtturm eine kleine Kirche hoch über den Klippen sein Eigen nennt, vorbei am „Pointe du Millier“, dessen Leuchtturm kaum als solcher zu erkennen ist, zu unserem Tagesziel dem „Pointe de St-Mathieu“. Hier finden wir nun endlich den klassischen rot-weißen, schlanken Leuchtturm. So muss ein Leuchtturm aussehen. Perfekt.

Drumherum mäandert eine alte Klosteranlage mit einer pittoresken Kirche und einem Portal aus dem 16. Jahrhundert. Früher was es Teil der riesigen Kirche, heute steht es allein zwischen den übriggebliebenen Gebäuden, hat aber nichts von seiner Wucht eingebüßt. Rund um den Leuchtturm ein herrliches Ensemble von Klippen auf die der Atlantik einpeitscht. Also wenn Flut ist und auch die Wellen entsprechend an Land rollen. Heute ist – wie bereits die ganzen Tage – der Atlantik eher ein sanftes Kätzchen. Nicht zu vergleichen mit den Stürmen die hier noch vor rund acht Wochen getobt haben müssen.

Morgen beginnt die letzte Etappe entlang der bretonischen Küste, die uns bis zum kommenden Montag zum Mont St. Michel bringen wird. Bis dahin hoffen wir noch ein paar Leuchttürme einzufangen, einer davon sogar der höchste Frankreichs. Bon Voyage, oder wie die Franzosen zu sagen pflegen.

Pointe du Raz

Pointe du Raz

Heute auf unserer Tour den westlichsten Punkt von Frankreich erreicht, den „Pointe du Raz“ im Département Finistère in der Bretagne. Der vorgelagerte Leuchtturm links der Felsen im Sonnenuntergang.

Alignments du Ménec

Menhire in Carnac

1099 große Steine, in mehreren Reihen ausgerichtet, umfasst das größte der drei Steinfelder in Carnac. An diesem Ort befindet sich die bekannteste prähistorische Stätte der Bretagne, mit insgesamt über 3000 Menhiren. Sie entstand in den Jahren 4500 bis 2500 vor Christus, als die steinzeitlichen Sammler und Jäger sesshaft wurden. Anstelle der sonst üblichen Steinkreise sind hier die Steine in langen Reihen aufgestellt. Die größten Blöcke von Carnac wiegen dabei mehrere Tonnen. Die Menschen transportierten sie von weit entfernten Steinbrüchen hier her, lange vor der Erfindung des Rads. Warum?

Erklärungsversuche gibt es einige: Fruchtbarkeitskult, himmlische Chronometer – die Reihen sind entlang der Ost-Westachse ausgerichte – Landeplatz für Außerirdische, oder einfach Versammlungsorte? Eigentlich hat man nicht die blasseste Ahnung. So lässt man die Steine am Besten auf sich wirken und denkt sich 6000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Als die Menschen sesshaft wurden und beschlossen zu unserem Vergnügen Steine aufzustellen. Nach dem Motto: Viel Spaß, macht euch mal schön Gedanken. Wir fanden es einfach lustig. Vielleicht war es so, wer weiß.

L’Herbaudiere Noirmoutiere-en-I’Ile

Die Atlantikküste auf der Insel Noirmoutier
Die Atlantikküste auf der Insel Noirmoutier – Foto: h|b

Am Donnerstag sind wir am fast östlichsten Punkt Deutschlands aufgebrochen, um heute nach rund 1800 Kilometern am fast westlichsten Punkt Frankreichs, in L’Herbaudiere, an der Atlantikküste zu stehen und uns am Sonnenuntergang zu erfreuen. Zum letzten Bericht, ein Kontrastprogramm wie es stärker nicht sein könnte. Weg von den deprimierenden Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs an der Meusse, weit hinüber ans friedliche Meer, dessen Wellen unter uns leicht an den Strand schlagen. 

Hier legen wir eine Pause ein, um dann von hier aus unsere Bretagne- und Normandietour zu starten. Dort werden wir spätestens in der übernächsten Woche wieder daran erinnert, dass das Meer auch unfriedlich sein kann. Wir erreichen dann die Strände Utah-, Omaha-, Gold-, Juno- und Sword Beach, so benannt in der „Operation Overlord“. Am 6. Juni 2014 jährt sich die Landung der Alliierten an der Normandie zum 70sten Mal. Große Feierlichkeiten stehen an. Wir werden aber erst danach die Strände erreichen, auf denen tausende Soldaten ihr Leben verloren haben, um Europa vom Irrsinn des „tausendjährigen Reichs“ zu befreien. Damit wir heute hierherfahren und friedlich mit allen Nationen gemeinsam ein Glas Wein trinken können. In diesem Sinne: Santé.

Ville de Verdun

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Kriegerdenkmal „Aux Enfants de Verdun“

Sind heute in einem Parforceritt über die französische Grenze direkt nach Verdun vorgestoßen. Die Résistance in Metz haben wir großzügig – mit einer kleinen Mautzahlung – umgangen, so dass wir am Nachmittag an der „Confisserie Braquier“ unser Quartier beziehen konnten. Chapeau. Wir haben uns gleich mit Proviant eingedeckt, den berühmten Schokoladendragees und Bonbons mit der Geschmacksrichtung „Fleur de Rose“. Schmecken etwas nach Parfüm. Die Erkundung der Stadt führte uns zu den diversen Denkmälern zu Ehren der kämpfenden Truppen, der Festung und der über der Stadt wachenden Kathedrale „Notre Dame“. Nebenan im „Palais de Paix“ hängen allen Ernstes großformatige Bilder der Berliner Mauer. Ick gloob, ick spinne. Schön dass Europa inzwischen geeint ist, und wir Orte besuchen, statt zu zerstören. Morgen besichtigen wir die Schlachtfelder von Verdun mit dem Beinhaus, in dem die Gebeine von rund 130.000 unbekannten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt werden. Ein Monument des Schreckens und des Besinnens. In diesem Sinne ein nachdenkliches „Bonne nuit“ aus dem Nachbarland.

Zum Tor hinaus

Der Pariser Platz in der Morgensonne - Foto: h|b
Der Pariser Platz in der Morgensonne – Foto: h|b

Die Sonne macht ja im Moment gerade Pause, eine gute Gelegenheit einen schönen blauen Himmel über einem der meist fotografierten Sehenswürdigkeiten Berlins zu zeigen. Das klassische Touristenfoto Berlins. Meist noch mit Gruppen von Menschen davor. Man will ja zeigen wo man gewesen ist. Wenn man es denn zu Hause in Tokio noch weiß.

Mit diesem Foto verabschiede ich mich für ein paar Wochen aus  Berlin und der Serie „Berlin from the ground“. Ich wechsele in den Touristenmodus und versuche mich an „Anything else from the ground“. Verdun, Orleans, Mont St. Michel, Omaha Beach, Atlantik from the ground. Wenn alles klappt mit dem Netz – leider ist das Roaming erstmal nur für das Telefon abgeschafft – gibt es schöne Bilder von der französischen Atlantikküste. Natürlich mit dem kleinen Fotograf und seiner OM-1 von Olympus. Wir sehn uns.

Weiterbauen

Das Bauen am Berliner "It-Bahnhof" geht weiter - Foto: h|b
Das Bauen am Berliner „It-Bahnhof“ geht weiter – Foto: h|b

Nach längerem Baustillstand scheint es am Bahnhof Warschauer Strasse, dem Einfallstor zur Partyzone Berlins, endlich wieder loszugehen. Seit kurzem dreht sich ein großer Kran über dem Bahnhof und ein Baugerüst überspannt den Zugang zu den Bahnsteigen. Der vordere Teil des neuen Bahnsteigs wurde ausgehoben und wird nun sicher bald vollendet. Damit beginnen dann vermutlich auch die Arbeiten am neuen Bahnhofsgebäude, da es ja sonst keines Krans bedarf. Ein Ende des provisorischen und nach wie vor nicht barrierefreien Bahnhofs ist damit hoffentlich absehbar. Falls mal was klappt in Berlin. So bautechnisch.

Die Qual der Wahl

Endloser Himmel über dem Tempelhofer Feld - Foto: h|b
Endloser Himmel über dem Tempelhofer Feld – Foto: h|b

Heute ist Wahltag. Wir dürfen nicht nur das Europaparlament neu zusammenwürfeln, nein, in Berlin steht eine Schicksalswahl an. Alles oder Nichts. 100% Tempelhofer Freiheit, oder ein neuer Stadtteil. Klingt dramatisch. Wenn es denn so wäre. Ist es aber nicht. Es stehen heute zwei Gesetzesvorlagen zur Wahl. Die eine definiert per se wirklich jede weitere Bebauung, oder bauliche Veränderung am Tempelhofer Feld zu verhindern. Die politische Opposition in Berlin präferiert zusammen mit der Initiative diese Entscheidung. Eine „moderate“ Randbebauung, mit – zum Teil – „sozialverträglichen“ Mietwohnungen möchte die Koalition aus SPD und CDU. Stillstand oder Zukunft. Die beiden Extreme.

622 785 Stimmen braucht die Initiative THF um den Volksentscheid durchzubekommen. Das sind eine Menge Berliner, von denen viele aber mit Tempelhof gar nichts anfangen können. Ob in Köpenick oder Marzahn, ob in Spandau oder Lankwitz, Tempelhof ist eher ein innerstädtisches Thema. Der Vorteil könnte sein, dass durch die parallele Europawahl, der eine oder andere sich Gedanken macht. Aber ich bin echt mal gespannt, ob es ein Gesamt-Berliner Thema sein wird. „Ja – Ja“, ist die GaGa Entscheidung, „Ja-Nein“, die Entscheidung für Tempelhof und seine „Freiheit“ und „Nein-Ja“, die Entscheidung für Randbebauung, Teich, Aufschüttungen und die neue LZB. Wowereits Lebenswerk. Ich werde mich wohl nachher spontan entscheiden müssen.