Pictorialismus

Die nord-östliche Spitze von Zingst - Foto: h|bDie nord-östliche Spitze von Zingst – Foto: h|b

Auf ARTE läuft gerade eine ganz empfehlenswerte Filmreihe zum Thema Fotografie. Nicht alle Themen sind interessant, aber man lernt trotzdem Neues. So wusste ich bis letzten Sonntag nicht, was es mit dem „Pictorialismus“ auf sich hat. Aus heutiger Sicht entstand diese fotografische Kunstrichtung durch ein „Luxusproblem“. Die Kameras wurden immer besser und damit realistischer und schärfer. Man entfernte sich damit stark von der bisherigen Fotografie, die sich eher an der Malerei orientierte, also nicht unbedingt gegenständlich sein wollte.

Man erfand sogar spezielle „Künstlerobjektive“ deren Abbildungsleistung das aufgenommene Bild wieder schlechter machen sollten. Oder sorgte auf andere Weise dafür, dass die Bilder nicht so aussahen wie aus der Kamera. Also im Grunde genommen die Aufgabe, die heute z.B. Smartphones und Instagram übernehmen. Die Kamera liefert gestochen scharfe Fotos, die APP legt verschiedene Bearbeitungen darüber und das Bild ist auf der einen Seite ein Unikat, auf der anderen Seite zeigt es nicht nur eine Abbildung, sondern eben auch eine gewünschte Stimmung. Interessant, dass es so eine alte Technik ist, die heute so viele Menschen begeistert.

Das Aufmacherbild dieses Artikels zeigt die Küstenlinie von Zingst. Ich habe die Kamera dabei auf einen Zaun auf der Aussichtsplattform gestellt, eine 60stel Sekunde eingestellt (mehr war bei Blende 22 und Sonnenschein nicht drin) und während des auslösens leicht horizontal gedreht. Dadurch bleiben nur noch die farblichen Schemen der Küste und das Bild wirkt eher gemalt als fotografiert. Probiert das ruhig mal aus, es muss nicht immer knackscharf sein 😉

Lange Belichtungszeit

Ein Treppenhaus im "Dresdner Zwinger" als Vorlage für ein Gemälde - Foto: h|bEin Treppenhaus im „Dresdner Zwinger“ als Vorlage für ein Gemälde – Foto: h|b

Wo unsereiner meist das Erstellen einer Abbildung mittels fotografischem Equipment in 100stel Sekunden berechnet, sitzt der klassische Maler schon mal einen ganzen Tag, oder länger, an seiner Staffelei, um am Ende ebenfalls ein Abbild dessen zu schaffen, was er vor sich sieht. Dazu braucht es Talent, Geduld und ein gutes Auge. Das sich entwickelnde Bild auf der Staffelei entsteht in vielen Schichten.

Hier trägt der Maler ein wenig Licht auf, dort wird die Luminanz angehoben, und vielleicht noch an anderer Stelle der Kontrast verstärkt. Eigentlich alles so ähnlich, wie wir das später mit unseren Fotos in in der EBV machen. Am Ende steht allerdings im Fall des Malers ein in vielen Stunden entstandenes Bild, welches sicher nicht auf irgendeiner Festplatte verschimmelt, sondern hoffentlich ein schönes Plätzchen an der Wand bekommt.

– Gesehen an unserem Wochenende in Dresden –

Blaue Stunde

Blaue Stunde am Elbufer in Dresden - Foto: h|bBlaue Stunde am Elbufer in Dresden – Foto: h|b

So lange in Deutschland der Winter noch auf sich warten lässt, nutzen wir die Gunst der Stunde und schauen uns mit unserem Wohnmobil noch ein bisschen um. Dieses Wochenende sind die Würfel auf Dresden gefallen, sah das Wetter in der Vorschau dort am ehesten nach Sonne aus. Es war zwar in der Realität ein Wolken-Sonne-Mix, aber prima zum laufen und fotografieren. Der Stellplatz für Wohnmobile liegt – mit Blick auf die Altstadt – dieser direkt gegenüber und ist nur zu empfehlen. Zentraler kann man kaum stehen.

Nach dem andocken gehen wir über die Augustusbrücke und sind in 10 Minuten am Neumarkt mit der Frauenkirche, dem Zwinger, dem Altmarkt, dem Residenzschloss und was sich dort im direkten Umfeld alles so tummelt. Nach Kaffee und Kuchen mit Blick auf die Frauenkirche schlendern wir durch die Stadt, sehen den Gauklern zu und bewundern etwas später die vielen Putten auf dem Zwingerundgang. Auf dem Altmarkt baut übrigens Bergmann Events, wer auch sonst, gerade den Dresdner Winterzauber auf. Ist schon klar, irgendwo müssen ja die Buden, die jetzt von der Winterwelt am Potsdamer Platz und dem Weihnachtsmarkt am Alex übrig sind, weitervermarktet werden. Im Gegensatz zu Berlin haben sie allerdings dort vernünftigerweise keine Schneerodelbahn, sondern nur eine ganz normale, aus Plaste.

Abends, wir liegen schon dick eingekuschelt lesend im Wohnmobil, gibt es zu unserer Ankunft noch ein verspätetes Willkommensfeuerwerk der Extraklasse. Danke Dresden. Über den morgendlichen Glockenterror, ab kurz vor acht glockt es fast ununterbrochen aus allen Kirchen der Stadt, müssen wir allerdings noch mal reden. So ein klein wenig ausschlafen wäre schon nett 😉

Endlose Weite

20140102-133451.jpg

Ich glaube ich vermisse es jetzt schon. Das endlose Schauen über das Meer. Fünf Tage lang hatte ich einen Blick aus dem Hotelfenster oder vom Strand, zu einem Horizont, der an seinem Ende mit dem Himmel verschmilzt. Oben und unten werden zu Eins. Der Unterschied zu einem Häusermeer, in dem ich ja sonst wohne, ist eben genau dieser Blick, der von nichts unterbrochen wird, schon gar nicht von der nächsten Häuserwand auf der anderen Straßenseite. Ich denke auch deswegen liegen mir die Küsten eher als die Berge. Für einen ähnlich weiten Blick muss man dort erst hoch hinauf.

Es wird mir dann auch klar, warum nur Länder mit einer Küste Seefahrernationen werden konnten. Man steht am Ufer des Meeres und es zieht einen regelrecht hinaus. Täglich mit der immerwährenden Frage konfrontiert: Was kommt hinter dem Horizont? Wie geht es dort weiter? Heute gibt es ja keine Enden mehr, alles wurde vermessen und entdeckt und hinter jeder Ecke geht es immer noch weiter. Schiffe fahren über alle Weltmeere und jede noch so noch so kleine Insel ist kartografiert. Aber vorstellen kann ich mir schon, wie es damals gewesen sein muss, als eben nichts klar war. Als man einfach lossegeln musste, ganz ohne Google Maps oder fertige Seekarten, um selber zu schauen, wie es weitergeht.

Das neue Jahr liegt ja nun ebenfalls in seiner epischen Weite vor uns. Leider, oder Gottseidank, gibt es auch in der heutigen, modernen Zeit dafür keine fertigen Karten. Wir müssen einfach lossegeln, wie einst die großen Seefahrer. Selber um die Ecken oder über den Horizont spähen und überlegen, ob sich das weitergehen hier lohnt, oder vielleicht besser an einer anderen Stelle. Aber losgehen müssen wir, stehenbleiben gibt es nicht. Wir versuchen dabei unseren eigenen Horizont zu erreichen, nur um festzustellen, dass es dahinter tatsächlich weitergeht. Am Ende des Jahres dürfen wir dann kurz ausruhen und innehalten, bis es wieder heisst: Los gehts, nicht stehenbleiben! Auf zu neuen Ufern!

Der finale Untergang

Sonnenuntergang am Strand von Warnemünde

Der vierte Sonnenuntergang in unserem kleinen Silvesterurlaub ist auch gleichzeitig der letzte für 2013. Das Jahr endet für uns damit 365 Tage später – so wie es begonnen hat – standesgemäß in Warnemünde. Diesmal haben wir es uns allerdings gemütlich gemacht und im Hotel eingecheckt.

Es war ein ereignisreiches Jahr. Wir haben wieder einiges von Europa gesehen, haben ganz im Süden Sizilien umrundet, und später im Norden mit der Queen die Gletscher besucht. Die vielen kleinen Fluchten an die See brachten uns im Frühjahr zuerst nach Zingst auf die nordöstliche Seite der Ostsee und im Spätsommer weit raus bis nach Helgoland mitten in der Nordsee.

In Berlin versuchte ich im Frühjahr zusammen mit David Hasselhoff die Mauer zu retten, aber das „Living Level“ an der Spree konnte auch später von Pink Floyds Frontsänger nicht verhindert werden. Wobei die sich ja auch eher damit auskennen Mauern zum Einstürzen zu bringen.

War also ein spannendes Jahr und ich hoffe, dass das für 2014 auch zutrifft. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines kleinen Blogs ein frohes und erfolgreiches neues Jahr. Wir lesen uns natürlich wieder in 2014. In diesem Sinne…. Lasst es krachen.

Das weiche Wasser bricht den Stein

Steine am Strand

Steine. Große Steine, bunte Steine, Stein in schwarz-weiss, Steine in grün. Ach nein, das sind glattgeschliffene Glasreste. Irgendwie über die Ostsee an den Strand gespült. Gibt es auch in anderen Farben. Unendlich viele Steine liegen am Strand von Warnemünde. Kurz vor Wilhelmshöhe. Drumherum liegt klassisch Sand. Was auch sonst.

Direkt an der Wasserlinie liegen auch viele Steine. Die Wellen bringen sie im Sekundenabstand dazu, sich mit sich selbst zu reiben. Man kann das gut hören. Tausende Steine die bei jeder Welle aufstöhnen. Sie reiben sich auf. Langsam. Wenn ich hier jetzt für die nächsten zehntausend Jahre stehen bleiben würde, könnte ich zusehen, wie aus den Steinen langsam Sand wird. Wahrscheinlich wäre das auf die Dauer allerdings etwas langweilig. So setze ich den Steinen lediglich hier an dieser Stelle ein fotografisches Denkmal.

Warnemünde … a-ja

20131003-201759.jpg
„Wir sind wieder hier, in unsrem Revier, warn nie wirklich weg, haben uns nur versteckt“. So, oder eher ähnlich, sang seinerzeit Marius Müller-Westernhagen einen seiner Songs. Uns geht es ja auch so und daher sind wir wiedermal aus der Hauptstadt und vor allem vor dem Einheitstrubel geflüchtet. Diesmal mit meinem Arbeitgeber, der Bahn, nicht mit dem Wohnmobil. Ausnahmsweise fuhr sogar ein ICE. Eine irgendwie geartete Regelmäßigkeit im Fahrplan ist allerdings nicht zu erkennen. Die nächsten Tage fährt nämlich kein ICE und zurück müssen wir mit dem RE. In zweieinhalb Stunden sind wir direkt von Berlin bis nach Warnemünde gefahren, perfekter geht es nicht. Allerdings über Schwerin, die direkte Strecke scheint immer noch gesperrt zu sein.

Gespannt laufen wir am alten Strom entlang, über die Promenade zum a-ja Ressort. Dort haben wir diesmal ein Zimmer für drei Nächte gebucht. Das Hotel direkt neben dem Neptun hat in diesem Frühjahr aufgemacht und wir haben quasi den Aufbau über die letzten Jahre mitbekommen. Im gleichen Aufwasch wurde auch endlich die heruntergekommene und lange Jahre geschlossene Badewelt wieder hergerichtet und gehört jetzt zum SPA des Hotels. Der Check-In läuft problemlos und kurze Zeit später schauen wir aus dem Fenster im siebten Stock weit über die Ostsee. Alle Zimmer haben Meerblick.
20131003-201853.jpg
Um das lange sitzen im Zug zu kompensieren, machen wir uns auf den Weg nach Wilhelmshöhe. Immer am Strand entlang. Zur Stärkung am Ziel ordern wir erstmal zwei Portionen leckeres Kesselgulasch und zur Einstimmung für den Kurzurlaub noch ein Pikkolösche. Dazu genießen wir den weiten Blick von der Klippe über die von blauem Himmel überspannte Ostsee. Zurück in Warnemünde klatschen wir erstmal den Leuchtturm an der Mole ab, unser Ritual. Bringt uns Glück. Daran glauben wir jedenfalls ganz fest. Am Abend geniessen wir einen fantastischen Sonnenuntergang aus unserem Zimmer. Froher Vereinigungstag oder so.
20131003-201937.jpg

Watt is?

Das Meer macht Pause - Foto: h|b
Das Meer macht Pause – Foto: h|b

Eins der frustrierenden Dinge an der Nordseeküste ist häufig die Erkenntnis, dass das Meer immer mal wieder Pause macht und dann an der Küste durch dieses „Watt“ ersetzt wird. Man kann dann nicht mehr schwimmen gehen und in den Wellen herumtollen, sondern nur noch „wandern“. Im Watt. Barfuss. Muss man mögen. Unsere Kinder haben das damals nur mit Gummistiefeln mitgemacht. Barfuss kam nicht in die Tüte. Wenn man erstmal im Watt unterwegs ist, immer schön auf die Tidezeiten achten, macht das ja durchaus Spaß. Man gräbt nach Wattwürmern, bohrt die Zehen in den Schlick (geht nur ohne Gummistiefel), oder plantscht durch die Priele. Mit einer Führung erfährt man noch eine ganze Menge mehr: Zu den im Wattenmeer lebenden Säugetieren zählen Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Im Schlick tummeln sich Muscheln und Krebse, Faden- und Strudelwürmer. Eine außerordentlich große Artenvielfalt ist hier zu Hause. Nicht umsonst hat die UNESCO das Wattenmeer 2009 als grenzüberschreitende Weltnaturerbestätte anerkannt. Da kann man schon mal für sechs Stunden auf die Wellen verzichten.

Lummerland

Fröschn

20130903-193027.jpg

In Damp an der Ostsee gibt es braune Frösche. Jede Menge. Kleine und Große. Wenn man nicht aufpasst wo man hintritt, nimmt man einer Prinzessin vielleicht die einzige Chance ihren Prinzen zu finden und zu heiraten. Weiß aber auch nicht, woran man erkennen kann, welcher dieser kackbraunen Frösche nun vielleicht ein verzauberter Prinz ist. Wahrscheinlich sind es aber eh nur gewöhnliche Erdkröten, die hier herumhüpfen. Von Pfütze zu Pfütze. Von denen gibt es hier übrigens jede Menge, in Damp. An der Ostsee. Dort wo in den Siebzigern die Plattenbauten des Westens entstanden, um die Urlauber unterzubringen. Damp 2000, kennt vielleicht noch der eine oder andere westsozialisierte Urlauber.

Ich war ja eher der Nordseetyp, als Kind immer auf Sylt. In Hörnum. Da gab’s nur Quallen, keine Frösche. Aber jetzt stehen wir hier mit dem Wohnmobil in Damp und lauschen dem Regen der auf das Dach trommelt. Das macht er schon den ganzen Tag. Laut Wetterbericht auch noch die halbe Nacht, bevor es dann nur noch bewölkt sein soll. Den Fröschen scheint es immerhin zu gefallen, die hüpfen fröhlich umeinander. Dabei ahnen sie vermutlich nichts von der Gefahr, die von herumschleichenden Menschen ausgeht, die vielleicht mal aufs Klo müssen. Und ratzfatz ist der arme Frosch nur noch Schleim. Das sind Schicksale. Aber kann man nix machen, menschliche Bedürfnisse gehen da eindeutig vor. Liebe Frösche, müsst ihr aufpassen, sonst gibt es ganz schnell „Autschn“. Ist so.