Dat issene Ei

Playmofigur mit kleiner Kamera vor einem braunen Ei

Am letzten Clubabend des Fotoclubs in Uhldingen haben wir eine Aufgabe bekommen. Nach einer kurzen Einführung zur kreativen Fotografie, wie geht man am Besten an ein Thema heran, durfte sich jede:r ein braunes Ei schnappen und hatte dann eine Stunde Zeit zwei Fotos zu schießen. Also man konnte schon mehr Aufnahmen machen, aber Ziel war am Ende zwei Fotos zu präsentieren.

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Berlin-Blues #26 – Ende

Blick durch herbstliche Bäume auf Häuser

Das ist er nun, der letzte Berlin-Blues, der letzte Tag im November. Das war der letzte komplette Monat in Berlin. Ab morgen tickt die Uhr runter bis zum Umzug am 9.12.23. Daher ein leicht verklärter Blick auf unsere Wohnung in der Gubener Straße in Berlin-Friedrichshain. Etwas über über 22 Jahre war das unsere Homebase, unser Lebensmittelpunkt, unser Kiez. Ein letzter Blick mit meiner Drohne über Park, Häusermeer bis hin zum Frankfurter Tor mit den zwei markanten Türmen.

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Berlin-Blues #15

Blick auf das Haus des Reisens in Berlin

Neben der Weltzeituhr gibt es im Umfeld des Alex ein weiteres Gebäude, was zur damaligen Zeit etwas schräg anmuten musste, das „Haus des Reisens„. Das 18-geschossige, 67 Meter hohe Haus des Reisens wurde vom 12. September 1969 bis zum 26. Oktober 1971 bei der sozialistischen Platzumgestaltung in der Nähe des zuvor abgerissenen Minolhauses errichtet. Im Erdgeschoss befanden sich die Schalter für den Flugverkehr sowie den Eisenbahnverkehr für das In- und Ausland. Der zentrale Ausländerservice des Reisebüros mit dem Ausländermeldedienst der Deutschen Volkspolizei und einer Wechselstelle der Industrie- und Handelsbank waren Tag und Nacht für ausländische Gäste geöffnet.

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Berlin-Blues #13

Fernsehturm Berlin

Heute ist die Mitte dran. Einmal hier im Blog, mit dem 15.11. ist die Mitte des Monats erreicht, und zum anderen die Mitte Berlins. Wahrscheinlich streiten sich die Gelehrten, ob der Standort des 365m hohen Fernsehturms die Mitte Berlins ist, aber es fühlt sich zumindest so an. Wenn man irgendwo in Berlin spazieren geht und sei es noch so weit draußen, immer schiebt sich irgendwann die filigrane Gestalt des Fernsehturms ins Sichtfeld.

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Berlin-Blues #12

Abendstimmung am Brandenburger Tor

Bei dem ganzen fiesen, dunklen und regnerischen Novemberwetter wird es Zeit für ein wenig Farbe. Dazu bewegen wir uns vom Potsdamer Platz kommend ein wenig Richtung Norden und finden ein sehr berühmtes Tor. Das folgende Bild ist aus einem Frühlingstag aus den mittleren 2000ern. Der Keukenhof hatte im Herbst 55.000 Blumenzwiebeln am Pariser Platz eingesetzt, die dann zum Frühling in leuchtender Pracht standen. Die schöne Tradition gibt es leider nicht mehr.

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Berlin-Blues #11

Blick von der Leipziger Straße auf den Potsdamer Platz

Neben unserer Wohnung, habe ich sicher die meiste Zeit in Berlin am Potsdamer Platz zugebracht. Im dortigen Hochhausensemble steht nämlich der „Bahntower“, die Zentrale der Deutschen Bahn AG. Seit 2001 mein fester Arbeitsplatz in der internen Kommunikation. Zuerst im 20. Stock, später etwas nach unten gerutscht, in den 8. Stock. Zentraler ging zu der Zeit nicht. Hier hab ich Medwedew in seiner schwarzen Limousine im gegenüberliegenden Hotel vorfahren, zigmal die Winterwelt auf- und abbauen sehen, Demos, Streiks, Promiaufläufe im Sony-Center. Mittendrin statt nur dabei.

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Berlin-Blues #6

Der Portikus des Anhalter Bahnhof in Berlin

Als Reichsbahner, in einem anderen Leben, wäre ich vielleicht in den 30er Jahren, mit dem D356 von Frankfurt/M aus, am Anhalter Bahnhof in Berlin angekommen, statt mit dem ICE erst 2001 am Bahnhof Zoo, um meine neue Stelle anzutreten. Aber so war er kurz nach meiner Geburt bereits Geschichte. Seit der Sprengung der Bahnhofshalle 1959 steht nur noch der Portikus. Einst ein wichtiger Berliner Fernbahnhof, wurde er im Krieg stark beschädigt, so dass – trotz Proteste der Berliner Bevölkerung – ein Abriss erfolgte und nur das Portal erhalten blieb. Die beiden Figuren „Tag & Nacht“ stehen heute im Technikmusem in Berlin.

Ich kann mich dunkel entsinnen, Mitte der 80er Jahre mal in Berlin gewesen zu sein, als im Rahmen der 750 Jahrfeier und der Ausstellung „Mythos Berlin“, der Aktionskünstler Wolf Vostell eine komplette Dampflokomotive wie eine Schildkröte auf den Rücken legte. Die auf dem Kopf stehende Skulptur nannte er La Tortuga. Sie sollte als Mahnmal auf den Missbrauch von Industrie und Technik für den Krieg hinweisen und symbolisch den Niedergang alter Industriezweige versinnbildlichen. Ich habe damals auch ganz sicher Fotos gemacht, aber die sind leider im Orkus der Vergangenheit verschwunden.

Das ist nur einer der vielen Bahnhöfe meines Lebens, wo die Weichen für später gestellt wurden, ohne dass ich zu der Zeit davon auch nur geahnt hätte.

Alles hat seine Zeit

Von der untergehenden Sonne rot angestrahlte Wolken

22 Jahre wohnen wir jetzt in der quirligen Metropole Berlin. Mitten drin statt nur dabei. In Friedrichshain, nicht in Wilmersdorf oder Spandau. Kurz nach unserem Herzug haben wir unsere Idee des Reisens umgesetzt und 2005 zum ersten Mal ein Wohnmobil gemietet. Es schien uns für eine Reise nach Norwegen als die perfekte Wahl. Die Fjorde entlang, die Berge hinauf, zu den Gletschern und – ganz aus Versehen – gleich noch zum Nordkapp. Erster!

Da es uns diese Art des Reisens gut gefallen hat, fahren wir im Folgejahr gleich noch mal nach Norwegen, aber nur in den Süden. Stehen mit den Beinen im Geirangerfjord, erklimmen den Prejkestolen und wagen uns auf den Kjeragbolten. In Alesund sehen wir unser erstes Kreuzfahrtschiff, die MV Century. Zufällig bietet eine lokale Berliner Zeitung ein Jahr später eine Norwegenkreuzfahrt mit eben diesem Schiff an. Da wir das schon immer mal probieren wollten, schlagen wir zu und sind 2007 zum dritten Mal in unserem Lieblingsland Norwegen, was wir später noch mehrfach besuchen werden.

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Der letzte Schnitt

Frisörsalon Beauty Hair in Friedrichshain

„Na Herr Böttger, dann bis in 4 Wochen, wa?“. „Nein, ich bin dann erstmal für 2 Monate mit dem Wohnmobil unterwegs, wahrscheinlich sehen wir uns also erst wieder im November.“ „Allet klar Herr Böttger, ick bin hier.“

Das war vor rund 14 Tagen mein letzter kurzer Dialog mit der Frisöse meines Vertrauens. Mit Silke. Vom Salon „Beauty Hair“ in Friedrichshain. Kein Schnickschnackname wie „Scheren-Schnitt“, oder „We hair for you“. Ein kleiner Kiezfrisör. Neben den ganzen „Barber-Shops“ schon fast eine Ausnahme. Immer das selbe Ritual beim umhängen des schwarzen Kittels. „Na Herr Böttger, dat selbe wie immer?“ „Auf jeden Fall, keine Experimente in meinem Alter“. 12mm mit der Maschine, an der Seite ein wenig kürzer, Augenbrauen kürzen, fertig. Kein Kaffee, keine Yellowpress, kein Smalltalk. Ein paar Worte wurden gewechselt, nach 5 Minuten war ich meist wieder draußen.

Wenn keine Gäste zu bedienen waren, saß Silke meist draußen vor dem Laden auf einem der Stühle, rauchte eine Zigarette und quatschte in ihrem leichten Berliner Singsang mit einem der Bekannten aus der Straße. Wir grüßten, selbst wenn wir an der anderen Straßenseite vorbeiliefen.

Letzte Woche hatte Silke auf dem Weg zu Freunden einen Schlaganfall. Koma, inzwischen wurden die Geräte abgeschaltet. Silke wäre ein paar Tage später 50 Jahre alt geworden.

Vielleicht braucht auch im Himmel jemand wie ich einen Haarschnitt mit der Maschine. 12mm, an den Seiten kürzer, gern auch die Augenbrauen etwas in Form bringen. Farewell Silke.