An einem Sonntag in Treptow

Der tägliche Wahnsinn in Berlin - Foto: h|bDer tägliche Wahnsinn in Berlin – Foto: h|b

Der Makler der um kurz vor halb vier in Treptow an der Baumschulenstraße 84 eintrifft ist leicht irritiert. „Ich hoffe sie warten alle auf den Bus?“ begrüßt er die ca. 30-40 Herumstehenden, die ihm aber den Gefallen nicht tun wollen. Es wartet nämlich keiner auf den Bus, sondern alle auf die Wohnungsbesichtigung der Einraumwohnung im Hinterhaus. Zu bisherigen Terminen waren wohl immer nur 2-3 Leute gekommen, die Wohnung steht schon länger zur Vermietung, weswegen er auch heute nur 10 Exposees dabei hat. Die Mietwilligen werden kurz in kleinen Gruppen durch die Wohnung gelassen, was aber in knapp 10 Minuten erledigt ist und dann gebeten im Hof zu warten. Draussen nieselt es als passende Begleitung grau von oben auf die Wohnungssuchenden herunter. Nach einer kleinen abschließenden Ansprache zur Wohnung auf dem Hof ist die Sache dann auch schon erledigt.

Nicht dass jemand denkt, wir suchen was Neues, nee, 30 Quadratmeter wären doch etwas zu klein, aber unsere Tochter hat die Nase voll von ihrer WG und möchte gern wieder allein wohnen. Sie hätte die Wohnung natürlich gern, für eine Person ist sie recht schnuckelig, noch dazu frisch renoviert und relativ preiswert, aber leider liegt es in der Entscheidung der Wohnungsgesellschaft und die schaut nur auf das Exposee. Darauf fusst letztendlich die Entscheidung am kommenden Mittwoch, auf die man nach der Abgabe keinen Einfluss mehr hat. Ehrlich gesagt, bin ich bei der aktuellen Wohnungssituation in Berlin heilfroh keine Wohnung suchen zu müssen.

Tschüssn Berlin

Blick auf die Spree - Foto: h|b
Ein letzter Blick auf die Spree – Foto: h|b

Ich bin dann mal weg. Weg von der Dauerknallerei die in Kürze starten wird. Weg von den Touristen die spätestens morgen in Berlin einfallen werden. Raus aus der Stadt, hin ans Meer. Eine kleine Auszeit mit Seeblick. Selber Tourist sein. So hat das Jahr begonnen, so wird es nun auch enden. Ciao Berlin, Bonjour Warnemünde.

Kaufrausch

Weihnachtsendzeitrallye - Foto: h|b
Weihnachtsendzeitrallye – Foto: h|b

Heute ist der letzte verkaufsoffene Sonntag vor Weihnachten. Grund genug noch mal die Berliner Shoppingcenter – wie hier das Alexa – zu stürmen. Handys, Bücher, Stofftiere, Parfüm, Socken, Pullover, alles muss in die Tüte. Für die Lieben. Der Handel freut sich. Die Beschenkten hoffentlich auch. Geld sparen ist ja im Moment auch blöd, bringt ja eh nichts bei den Zinsen. Da kann man es auch gleich ausgeben. Süßer die Kassen nie klingen, als in der Vorweihnachtszeit. In diesem Sinne, einen schönen und geruhsamen vierten Advent.

Iwwer die Brick

Radfahrer auf dem Holbeinsteg in Frankfurt

Über die „Neckarbrick“ hat mal Joy Fleming in ihrem „Neckarbrückenblues“ gesungen. Ihr „Karl“ war wohl darüber abgehauen. Der Rest des Songs ist eher was für Menschen, die diesem – sehr speziellen – Dialekt etwas abgewinnen können. Dazu gehöre ich nicht so wirklich. Der Frankfurter Dialekt liegt mir da eher. So überquert der Radfahrer auf meinem Foto auch die Mainbrücke, genauer gesagt den Holbeinsteg in Frankfurt. Ist zwar offiziell eine Fußgängerbrücke, aber spät Abends nimmt das keiner mehr so genau. Irgendwie mussmer ja schließlich von Hibbde- nach Dribbdebach komme.

November Rain

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Mein Timehop von vor drei Jahren zeigt mir ein Instagramfoto von der Warschauer Brücke mit dem ersten Schnee und ein Screenshot der Wetterapp mit prognostizierten Temperaturen von bis zu -8 Grad. Aus der Sicht gesehen, macht mir aktuell das bisschen Novemberregen bei fast angenehmen Plusgraden gar nichts aus. Im Gegenteil, lädt es doch geradezu ein, ein paar Fotos mit Lichtspielereien auf nassen, sich spiegelnden Flächen zu schießen. Da es inzwischen auch dunkel ist, wenn ich auf dem Weg nach Hause bin, sieht das gleich noch schöner aus. Die Kamera setze ich dabei auf eine längere Belichtungszeit, suche mir einen Laternenmast als stabilen Halt und schon kann ich locker ein paar Sekunden belichten. In diesem Sinne: „It’s raining man, hallelujah…“

Roll, Roll

Die rollenden KofferDie rollenden Koffer

Bereits die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste wusste die Vorteile des Rollens zu schätzen, kam sie doch auf diese Weise schnell und mühelos den Berg hinab. Trotzdem dauerte es noch ein ganzes Weilchen bis sich dieses Prinzip auch bei den Koffern durchsetzte. Erst ein Pilot in den 80er Jahren hatte die zündende Idee und montierte zwei Rollen direkt an den Koffer. Ein ausziehbarer Griff ermöglichte das einfache hinterherziehen dieses Koffers.

Er war nicht der Erste der die Idee hatte, Rollen gab es schon länger, aber bis dahin zog man die Koffer umständlich an einem Gurt hinter sich her. Das war wenig attraktiv und es wollte auch kein Händler verkaufen. Früher war es durchaus auch noch üblich Träger zu beschäftigen, die einem die Koffer hinterhertrugen. Das war auch gleichzeitig ein sichtbares Statussymbol. Wer sich keine Träger leisten konnte, musste seine Koffer halt selbst tragen. Da das Reisen in den 80er Jahren immer mehr zunahm, Flugreisen wurden erschwinglich, Dienstreisen nahmen zu, setzte sich das Prinzip dann schnell durch und heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es jemals Koffer ohne Rollen gegeben hat. Danke Robert Plath.

Es geht um die Wurst

Grillrunner #3
Auf dem Rücken tragen sie den gelben oder blauen Gasbehälter, an dem bei Bedarf ein Schirm befestigt werden kann. Der schützt gleichermaßen vor Sonne und Regen. Gegen die Kälte hilft – zumindest einseitig – die Hitze des Grills, den sie als Bauchladen vor sich her tragen. Die „Grillwalker“ und „Grillrunner“ sind am Alex eine feste Größe. Zwei bis drei stehen allein vor dem Eingang des Saturn, weitere verteilt über den Platz, bis hin vor die Eingänge der S-Bahn-Station. Die 30 Kilogramm schweren Tragevorrichtungen zwingen zu einem Schichtwechsel alle zwei Stunden. Dann grillt der Partner des Duos und der andere holt Nachschub. Inzwischen mischen auch Rollstuhlgriller aus Russland im unübersichtlichen Geschäft mit. Teilweise findet man bis zu 15 Griller auf dem Alex, festangestellte „Grillwalker“ konkurrierende „Grillrunner“ auf Provisonsbasis und diverse Freie. Eins ist aber im Sinne der Verbraucher gleich: Die Wurst im Brötchen kostet immer 1,20€. Dazu gibt es wahlweise Senf oder Ketchup. Guten Appetit.
Grillrunner übergibt eine Bratwurst

Im Rausch der Musik

Straßenmusiker Johnny Jukebox
Vor dem Brunnen der Völkerfreundschaft singt der Straßenmusiker Johnny Jukebox seine beliebten Songs, aber das Publikum hat nur Augen für die blau spiegelnde Fassade des Park-Inn Hotels. Vor dieser fallen nämlich an einem ganz normalen Wochenende im Viertelstundentakt Männer und Frauen herunter. Sie stürzen sich vom Dach des 37-stöckigen Hotels 150 Meter in die Tiefe. Alles ganz ungefährlich, aber deswegen nicht weniger aufregend. Fünf Minuten Vorbereitung auf dem Ausleger, fünf Sekunden gefühlt freier Fall, sanftes abbremsen, geschafft. Danach hat Johnny Jukebox wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit der Passanten. Bis zum nächsten Sprung.
Fassade des Park-Inn mit Bungeejumper