Blaues Herzblut

Straßenszene aus Lissabon verfremdet nach Josh Adamski. Links an der Hauswand ein rotes Herz aus Mosaiksteinen klar zu erkennen.

Auf einer unserer letzten Reisen waren wir wieder mal in Lissabon. Wir schlenderten gemütlich durch die Straßen der Alfama, immer auf der Hut vor den historischen Straßenbahnen. Auf dem Weg zum Miradouro da Graça, um die abendliche Aussicht von dort zu genießen, fiel mir das kunstvolle Herz aus Mosaiksteinen auf, dass gerade sein blaues Blut verlor. Mit der Kombination mit dem kleinen Gässchen, der nachträglichen Verfremdung, hab ich versucht meine Stimmung des Tages einzufangen.

Abgeschliffen

Ein Holzblick mit weißer Rinde, auf das ein gelbes Viereck und ein verstümmeltes blauser N zu sehen sind.

Ich bleibe über diesem Stück Holz stehen, weil es nichts mehr eindeutig sagt.
Die Farbe formt etwas, das einmal Buchstaben gewesen sein könnten – oder auch nicht.
Zeit hat die Bedeutung abgeschliffen, aber nicht die Wirkung.
Im Unlesbaren liegt eine eigene Ruhe, und genau dort beginnt für mich Wabi Sabi.

Lost in Überlingen

Ein leicht angerosteter Überflurhydrant vor einem Gartenzaun. Im oberen Bereich wurden ihm 2 Kulleraugen aufgeklebt.

Gestatten, mein Name ist PN16GG25 und ich stehe schon sehr lange hier am Rande des Mainauwegs in Überlingen wie man sieht. Jahrelang liefen Menschen an mir vorbei, aber ich konnte nur ihre Schritte hören. Mal schleppend bergauf, mal fröhlich und hüpfend bergab, mal knirschend im Schnee. Nun hat sich endlich jemand erbarmt und mir Augen zum Sehen geschenkt. Jetzt kann ich endlich sehen, wer meinen Weg kreuzt. Für eine freundliche Umarmung reicht es leider nicht, ihr seht ja selbst. Wenn alles gut geht, werde ich noch lange hier stehen, langsam aus der Zeit fallend und trotzdem alles tun, um der DIN 100 zu genügen. Besucht mich doch mal im Mainauweg in Überlingen, ich würde mich freuen.

Doppelzopf

Baumrinde

Letztens bin ich über den Begriff „Wabi Sabi“ gestolpert. Wabi-Sabi ist ein japanisches ästhetisches und philosophisches Konzept, das grob gesagt die Schönheit des Unperfekten, Vergänglichen und Unvollständigen feiert. Dabei bedeutet Wabi Schlichtheit, Bescheidenheit, das Unaufgeregte und Sabi Patina, Alter, Spuren der Zeit, das „Gelebte“.

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Auf ein Neues

Ein Ruderboot auf einem See, der durch Bewegungsunschärfe leicht verwischt ist

So zäh wie sich das vergangene Jahr manchmal anfühlte, war es in Wirklichkeit gar nicht. Ich hab mir gestern die Top 100 Bilder aus 2025 rausgesucht, mit dem ich das Jahr chronologisch ein wenig im WhatsApp Status Revue passieren lassen möchte. Es ist ne ganze Menge passiert. Sowohl persönlich als auch fotografisch. Und es fühlt sich im Rückblick nach ’ner Menge Spaß an.

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Kitsch 51/52

Kunstobjekte in einer Kunstgalerie

Kunst liegt ja immer im Auge des Betrachters. Oft sagt man ja auch „Ist das Kunst, oder kann das weg“. Man denke nur an die festgeklebte Banane an der Wand. Auch die hat schließlich einen Käufer gefunden, der das millionenteure Objekt anschließend verspeiste. Wer hat der hat.

Auch bei uns in der Galerie kommt es vor, dass Besucher reinschneien, kurz durch die Galerie schlendern und dann verkünden, dass sie diese Skulptur mal eben für 2600€ mitnehmen möchten. Ist halt eine Galerie, die Künstler freut es. Ob es die Figuren auf dem Bild auch schaffen im Warenkorb eines Kunstinteressierten zu landen, steht allerdings in den Sternen. Die Objekte liegen preislich etwas über 4000€. Wer also schon immer mal einen Hund ausführen möchte, dem man nicht mit dem Kackebeutel hinterher laufen muss, sollte sich das Angebot vielleicht näher anschauen. Ob es bei dem Preis noch Kitsch ist, möge der werte Betrachter oder die Betrachterin selbst entscheiden.

Schwebend 49/52

Ein roter Apfel schwebt zwischen Untertasse und einer Hand

Für manche Themen der #52WochenFotoChallenge muss man schon mal die Magie herbeirufen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Wie soll denn sonst bitte etwas schweben? Wir sind doch nicht in Stranger Things, wo der fiese Vecna dauernd Leute schweben lässt, bevor er ihnen die Knochen im Leib krachend verdreht, oder bei Harry Potter, wo ja auch dauernd was schwebt. Also habe ich die Magie der Fotografie herbeigerufen und gebeten meine Hand zu leiten, um den frischen Apfel zum Schweben zu bringen. Hat dann ganz gut geklappt. Voila, ein Apfel, #schwebend. Aufgabe erfüllt 😉

Linie 48/52

Am blauem Himmel sind diverse Kondensstreifen zu sehen

Linie: Längerer, gerader, gekrümmter oder geknickter Strich; Gerade, Kurve, Reihe, (Richt-)Schnur, Strecke, Umriss, Zeile – die kürzeste Verbindung zweier Punkte. All das macht laut Wikipedia eine Linie aus. Ich habe für meine Wochenaufgabe der #52WochenFotoChallenge alles im Angebot. Das folgende Bild stammt aus der Kunstausstellung in der Galerie in Überlingen und fasert eher aus.

Ein Kunstwerk aus goldenen sich zerfasernden Linien
Chaos

Als Hauptbild habe ich die Linie, bzw. Linien genommen, die uns im täglichen Leben immer wieder begegnen, außer man wohnt aktuell in der Ukraine, oder im Iran. Da dürften diese Linien nicht so alltäglich sein, meiden doch Fluglinien diese Länder beim Überflug. Für das letzte Bild habe ich eine ganze Menge Linien in einer Unterführung in Berlin gesammelt, die aber alle senkrecht verlaufen. Aber letztendlich sind auch dass …. Linien.

Eine Unterführung mit verwischten Menschen und weißen senkrechten Lampen
Senkrechte Linien

Ich hoffe meine Linienauswahl hatte euch gefallen und da heute der erste Advent ist, wünschen ich allen Lesern und Leserinnen einen schöne Adventszeit. Und vermeidet bitte weiße Linien, die in der Regel auf Toiletten gezogen werden. Ist besser so 😉