Doppelzopf

Letztens bin ich über den Begriff „Wabi Sabi“ gestolpert. Wabi-Sabi ist ein japanisches ästhetisches und philosophisches Konzept, das grob gesagt die Schönheit des Unperfekten, Vergänglichen und Unvollständigen feiert. Dabei bedeutet Wabi Schlichtheit, Bescheidenheit, das Unaufgeregte und Sabi Patina, Alter, Spuren der Zeit, das „Gelebte“.

Das wiederum kann man in die Fotografie übertragen. Dabei ist Wabi Sabi kein Stil und keine Technik. Es ist eine Art zu sehen. In der Fotografie bedeutet es, den Blick von dem Perfekten abzuwenden und sich dem zuzuwenden, was Spuren trägt. Dinge, die nicht neu sind. Nicht vollständig. Nicht laut. Ein Riss im Putz, ein welkendes Blatt, ein Objekt im weichen Licht – nichts davon drängt sich auf.

Blätter an einer Baumrinde

Neben anderen Themen in der Fotografie, werde ich versuchen, dass im Laufe des Jahres aufzugreifen und für mich zu entdecken. Auf der Suche nach dem Unperfekten. Natürlich gibt es auch weiterhin Fotos aus meiner Heimat dem Bodensee, aber vielleicht auch etwas „anders“ als Postkartenmotive. Ich bin gespannt.

2 Antworten auf “Doppelzopf”

  1. Ich muss lächeln, denn den Begriff kannte ich nicht, aber ich bin sicher ich habe zumindest ein Wabi-Sabi-Auge. Denn es lenkt mich oft unbewusst hin zu dem was ich in dem Moment entdecken soll, inmitten von scheinbarer Perfektion. Das gilt vor allem wenn ich in der Natur bin, doch es steht mir auch beim Malen zur Seite. Denn es sagt mir oft in Sekunden wenn das Bild fertig ist. Male ich dann weiter kann ich davon ausgehen, am Ende wird es das Bild auf das mein Wasi-Sabi-Auge bereits vor Stunden geschielt hat. 😉 Danke für die schönen Fotos.

    1. Wabi-Sabi Auge ist gut 😉 Aber du hast recht, die Kleinigkeiten am Wegesrand, die Strukturen im Holz, die Blätter auf dem Weg. Alles unperfekt und eigentlich nicht würdig fotografiert zu werden. Aber beim nächsten Mal sind sie weg und man denkt… Hätt ich doch mal.

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