Endlose Weite

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Ich glaube ich vermisse es jetzt schon. Das endlose Schauen über das Meer. Fünf Tage lang hatte ich einen Blick aus dem Hotelfenster oder vom Strand, zu einem Horizont, der an seinem Ende mit dem Himmel verschmilzt. Oben und unten werden zu Eins. Der Unterschied zu einem Häusermeer, in dem ich ja sonst wohne, ist eben genau dieser Blick, der von nichts unterbrochen wird, schon gar nicht von der nächsten Häuserwand auf der anderen Straßenseite. Ich denke auch deswegen liegen mir die Küsten eher als die Berge. Für einen ähnlich weiten Blick muss man dort erst hoch hinauf.

Es wird mir dann auch klar, warum nur Länder mit einer Küste Seefahrernationen werden konnten. Man steht am Ufer des Meeres und es zieht einen regelrecht hinaus. Täglich mit der immerwährenden Frage konfrontiert: Was kommt hinter dem Horizont? Wie geht es dort weiter? Heute gibt es ja keine Enden mehr, alles wurde vermessen und entdeckt und hinter jeder Ecke geht es immer noch weiter. Schiffe fahren über alle Weltmeere und jede noch so noch so kleine Insel ist kartografiert. Aber vorstellen kann ich mir schon, wie es damals gewesen sein muss, als eben nichts klar war. Als man einfach lossegeln musste, ganz ohne Google Maps oder fertige Seekarten, um selber zu schauen, wie es weitergeht.

Das neue Jahr liegt ja nun ebenfalls in seiner epischen Weite vor uns. Leider, oder Gottseidank, gibt es auch in der heutigen, modernen Zeit dafür keine fertigen Karten. Wir müssen einfach lossegeln, wie einst die großen Seefahrer. Selber um die Ecken oder über den Horizont spähen und überlegen, ob sich das weitergehen hier lohnt, oder vielleicht besser an einer anderen Stelle. Aber losgehen müssen wir, stehenbleiben gibt es nicht. Wir versuchen dabei unseren eigenen Horizont zu erreichen, nur um festzustellen, dass es dahinter tatsächlich weitergeht. Am Ende des Jahres dürfen wir dann kurz ausruhen und innehalten, bis es wieder heisst: Los gehts, nicht stehenbleiben! Auf zu neuen Ufern!

Der finale Untergang

Sonnenuntergang am Strand von Warnemünde

Der vierte Sonnenuntergang in unserem kleinen Silvesterurlaub ist auch gleichzeitig der letzte für 2013. Das Jahr endet für uns damit 365 Tage später – so wie es begonnen hat – standesgemäß in Warnemünde. Diesmal haben wir es uns allerdings gemütlich gemacht und im Hotel eingecheckt.

Es war ein ereignisreiches Jahr. Wir haben wieder einiges von Europa gesehen, haben ganz im Süden Sizilien umrundet, und später im Norden mit der Queen die Gletscher besucht. Die vielen kleinen Fluchten an die See brachten uns im Frühjahr zuerst nach Zingst auf die nordöstliche Seite der Ostsee und im Spätsommer weit raus bis nach Helgoland mitten in der Nordsee.

In Berlin versuchte ich im Frühjahr zusammen mit David Hasselhoff die Mauer zu retten, aber das „Living Level“ an der Spree konnte auch später von Pink Floyds Frontsänger nicht verhindert werden. Wobei die sich ja auch eher damit auskennen Mauern zum Einstürzen zu bringen.

War also ein spannendes Jahr und ich hoffe, dass das für 2014 auch zutrifft. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines kleinen Blogs ein frohes und erfolgreiches neues Jahr. Wir lesen uns natürlich wieder in 2014. In diesem Sinne…. Lasst es krachen.

Verwöhntage

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Heute hatten wir den ganzen Tag blauen Himmel und Sonne. 2013 zeigt sich an seinem Ende versöhnlich und verwöhnt die Besucher in Warnemünde. Tausende bevölkern bereits einen Tag vor Silvester die Promenade am alten Strom, nutzen die „Sales“ der Geschäfte aus und sitzen bei Glühwein oder Kaffee in der Sonne. Es ist frisch, aber mit der Sonne gut auszuhalten. Heute Nachmittag war auch die Rezeption im Hotel gut gefüllt, morgen dürfte es noch voller werden. Schließlich werden am 1. Januar 2014 fast 70.000 Menschen zum „Leuchtturm in Flammen“ erwartet. Mit uns mittendrin.

Das weiche Wasser bricht den Stein

Steine am Strand

Steine. Große Steine, bunte Steine, Stein in schwarz-weiss, Steine in grün. Ach nein, das sind glattgeschliffene Glasreste. Irgendwie über die Ostsee an den Strand gespült. Gibt es auch in anderen Farben. Unendlich viele Steine liegen am Strand von Warnemünde. Kurz vor Wilhelmshöhe. Drumherum liegt klassisch Sand. Was auch sonst.

Direkt an der Wasserlinie liegen auch viele Steine. Die Wellen bringen sie im Sekundenabstand dazu, sich mit sich selbst zu reiben. Man kann das gut hören. Tausende Steine die bei jeder Welle aufstöhnen. Sie reiben sich auf. Langsam. Wenn ich hier jetzt für die nächsten zehntausend Jahre stehen bleiben würde, könnte ich zusehen, wie aus den Steinen langsam Sand wird. Wahrscheinlich wäre das auf die Dauer allerdings etwas langweilig. So setze ich den Steinen lediglich hier an dieser Stelle ein fotografisches Denkmal.

Iwwer die Brick

Radfahrer auf dem Holbeinsteg in Frankfurt

Über die „Neckarbrick“ hat mal Joy Fleming in ihrem „Neckarbrückenblues“ gesungen. Ihr „Karl“ war wohl darüber abgehauen. Der Rest des Songs ist eher was für Menschen, die diesem – sehr speziellen – Dialekt etwas abgewinnen können. Dazu gehöre ich nicht so wirklich. Der Frankfurter Dialekt liegt mir da eher. So überquert der Radfahrer auf meinem Foto auch die Mainbrücke, genauer gesagt den Holbeinsteg in Frankfurt. Ist zwar offiziell eine Fußgängerbrücke, aber spät Abends nimmt das keiner mehr so genau. Irgendwie mussmer ja schließlich von Hibbde- nach Dribbdebach komme.

Dem Xaver sein Schnee

Schnee im Comeniuspark - Foto: u|b

Im Gegensatz zum letzten Jahr hat der erste Schnee in Berlin diesmal wenigstens so lange gewartet bis ein entsprechender Anlass gegeben war: Nikolausabend, die Generalprobe für Weihnachten. Das Sturmtief Xaver tobt bereits seit gestern heftig über Deutschland, heute gesellte sich Polarluft dazu und schon fiel es weiß vom Himmel. Der Schnee fegte dann gemeinsam mit den Sturmböen quer durch die Stadt, blieb aber bis zum Abend nicht liegen. Mal sehen, ob die Premiere besser wird.

November Rain

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Mein Timehop von vor drei Jahren zeigt mir ein Instagramfoto von der Warschauer Brücke mit dem ersten Schnee und ein Screenshot der Wetterapp mit prognostizierten Temperaturen von bis zu -8 Grad. Aus der Sicht gesehen, macht mir aktuell das bisschen Novemberregen bei fast angenehmen Plusgraden gar nichts aus. Im Gegenteil, lädt es doch geradezu ein, ein paar Fotos mit Lichtspielereien auf nassen, sich spiegelnden Flächen zu schießen. Da es inzwischen auch dunkel ist, wenn ich auf dem Weg nach Hause bin, sieht das gleich noch schöner aus. Die Kamera setze ich dabei auf eine längere Belichtungszeit, suche mir einen Laternenmast als stabilen Halt und schon kann ich locker ein paar Sekunden belichten. In diesem Sinne: „It’s raining man, hallelujah…“

Vogel-Flug-Linie

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Ich denke diese drei Begriffe, die ja auch an anderer Stelle gemeinsam existieren, beschreiben das Bild ganz gut. Als ich morgens zur Straßenbahn gelaufen bin, kreisten die Krähen über der Oberleitung und ließen sich immer wieder für kurze Zeit nieder. Dahinter die pittoresken rosa Wölkchen und als ich mir das Bild später anschaute, war sogar noch ein Flugzeug darauf zu erkennen, dem die Krähe sehnsuchtsvoll hinterherschaut. Tut sie doch, oder?

Roll, Roll

Die rollenden KofferDie rollenden Koffer

Bereits die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste wusste die Vorteile des Rollens zu schätzen, kam sie doch auf diese Weise schnell und mühelos den Berg hinab. Trotzdem dauerte es noch ein ganzes Weilchen bis sich dieses Prinzip auch bei den Koffern durchsetzte. Erst ein Pilot in den 80er Jahren hatte die zündende Idee und montierte zwei Rollen direkt an den Koffer. Ein ausziehbarer Griff ermöglichte das einfache hinterherziehen dieses Koffers.

Er war nicht der Erste der die Idee hatte, Rollen gab es schon länger, aber bis dahin zog man die Koffer umständlich an einem Gurt hinter sich her. Das war wenig attraktiv und es wollte auch kein Händler verkaufen. Früher war es durchaus auch noch üblich Träger zu beschäftigen, die einem die Koffer hinterhertrugen. Das war auch gleichzeitig ein sichtbares Statussymbol. Wer sich keine Träger leisten konnte, musste seine Koffer halt selbst tragen. Da das Reisen in den 80er Jahren immer mehr zunahm, Flugreisen wurden erschwinglich, Dienstreisen nahmen zu, setzte sich das Prinzip dann schnell durch und heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es jemals Koffer ohne Rollen gegeben hat. Danke Robert Plath.