Wintereinbruch in Berlin

Rodelbahn am Potsdamer Platz

Kaum sind die letzten Buden der Herbstmärkte weggeräumt und die Lichter des FoL erloschen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Wenn am Potsdamer Platz die Arbeiter erstmal wieder die Stangen zusammenschrauben und die Abdeckplane weiß in der Herbstsonne glänzt ist klar: Der Winter kommt. Zwar ist und bleibt er an diesem Ort künstlich, aber bald wird es hier wieder nach Glühwein riechen und Berge von Bratwürsten wechseln die Besitzer.

Denn Zeit ist Geld und je früher der Rubel rollt, desto besser für die Veranstalter der Märkte. Bereits am nächsten Wochenende geht es los, dann rollen die Tubes mit kreischenden Teenies die 70 Meter lange Rodelbahn herunter und der tauende Schnee tropft auf die Passanten. Wer mag, kann sich beim Apres Ski in der Original Salzburger Schmankerl-Hütte Rindfleischsulzerl, Gebirgsräucherforelle, oder Kaspreßknödel schmecken lassen. Ski heil und wohl bekomms.

Vorglühen

Zweimal Grog, einmal Glühwein - Foto: h|b
Zweimal Grog, einmal Glühwein – Foto: h|b

Glühwein muss man ja irgendwie mögen. Süßes, klebriges Zeug, irgendwie auf Weinbasis und das Ganze dann noch höllisch heiß. Also die ersten zwei Minuten, dann wird es langsam lau und noch klebriger. Am besten trinkt man es ja bei Minustemperaturen, aber die stellen sich aktuell nicht ein. Es sieht wieder so aus, als hätten wir diese Weihnachten eher so etwas wie Frühlingsanfang. Mit Sturm statt Schnee. Aber wir wollen uns mal nicht zu früh freuen, dieses Jahr kam der Winter auch erst spät, und dann wollte er nicht mehr verschwinden. Leider gab es dann keinen Glühwein mehr, da die Weihnachtsmärkte pünktlich nach Weihnachten verschwanden. Da steckt bestimmt ein perfider Plan dahinter. Wenn ich noch ein oder zwei Gläser Glühwein trinke, wird sich mir der sicher erschließen. Oder ich habe einfach tierische Kopfschmerzen, was sehr viel wahrscheinlicher ist. Echt eklig dieser Glühwein. Was? Noch mal drei? Okay!

Winter befohlen

Winterwelt am Potsdamer PlatzWinterwelt am Potsdamer Platz
Wie jedes Jahr, zu einem – wie immer – völlig überraschenden Zeitpunkt, eröffnet heuer die Winterwelt am Potsdamer Platz. Eben saß man noch bei einem Latte Macchiato in der warmen Spätsommersonne im Balzac, genoss den Blick über den weiten Platz hinüber zum Bahntower, schon wächst die große Rodelrampe in den Himmel und wartet nun auf den künstlichen Schnee aus der Skihalle in Senftenberg. Die diversen Holzhütten für die bald kommenden Weihnachtsfeiern und Firmenevents ordnen sich wie Satelliten um den Rodelberg. Ab kommenden Samstag heisst es dann wieder Gummireifenrodeln gut. Spannend wird es dann wieder zu beobachten sein, mit welchem Aufwand der Veranstalter versuchen wird den Schnee vom Tauen abzuhalten. Noch sind in Berlin nämlich keine winterlichen Temperaturen zu erwarten. Aber Winter ist ja schließlich keine Jahreszeit mehr, sondern richtet sich schon längst nach dem jährlichen Berliner Eventkalender.
Aufbau der Hütten vor dem BahntowerAufbau der Hütten vor dem Bahntower