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Das große Sterben

Verdun
Am Ende bleiben Kreuze – Foto:h|b

Gestern vor einhundert Jahren veränderte ein Doppelmord in Sarajevo die Geschichte der Welt. Vier furchtbare Jahren später waren 20.000.000 Menschen tot. Als ich vor vier Wochen in Verdun war, versuchte ich mir das Grauen vorzustellen, aber es war schlicht unmöglich. Ordentliche aufgereihte Kreuze in der Morgensonne, grasbewachsene Hügel mit wohlgeformten Dellen, dichte Wälder so weit das Auge reicht.

Hier, wo vor langer Zeit über Monate alles umgepflügt wurde, von Mörsern, Granaten. Die Menschen unter sich begrabend, immer und immer wieder. Solange bis nur noch Knochen übrig waren. Diese kann man sich heute noch im Beinhaus von Beaumont ansehen. Aber auch das ist völlig abstrakt. In einer rundherum normalen Welt. Aber was ist schon normal.

Ville de Verdun

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Kriegerdenkmal „Aux Enfants de Verdun“

Sind heute in einem Parforceritt über die französische Grenze direkt nach Verdun vorgestoßen. Die Résistance in Metz haben wir großzügig – mit einer kleinen Mautzahlung – umgangen, so dass wir am Nachmittag an der „Confisserie Braquier“ unser Quartier beziehen konnten. Chapeau. Wir haben uns gleich mit Proviant eingedeckt, den berühmten Schokoladendragees und Bonbons mit der Geschmacksrichtung „Fleur de Rose“. Schmecken etwas nach Parfüm. Die Erkundung der Stadt führte uns zu den diversen Denkmälern zu Ehren der kämpfenden Truppen, der Festung und der über der Stadt wachenden Kathedrale „Notre Dame“. Nebenan im „Palais de Paix“ hängen allen Ernstes großformatige Bilder der Berliner Mauer. Ick gloob, ick spinne. Schön dass Europa inzwischen geeint ist, und wir Orte besuchen, statt zu zerstören. Morgen besichtigen wir die Schlachtfelder von Verdun mit dem Beinhaus, in dem die Gebeine von rund 130.000 unbekannten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt werden. Ein Monument des Schreckens und des Besinnens. In diesem Sinne ein nachdenkliches „Bonne nuit“ aus dem Nachbarland.