Küstenmaler

Ein Maler an der Küste von Usedom

Da das Wetter über das lange Wochenende an der Ostseeküste eher nicht zum Sonnen und Baden einlud, sind wir viel gelaufen. Rund 40 Kilometer an den 3 Tagen die wir in den Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck verbracht haben. Auf dem sehr schönen Mobilcamp in Heringsdorf fanden wir für uns und unser Wohnmobil eine perfekte Unterkunft. Zentral gelegen, allen Komfort den man so braucht und erschwinglich. Jeden Abend lecker Fisch in einem der drei Orte, Livemusik und dank unseren Freunden aus Usedom auch den einen oder anderen Geheimtipp.  Nur das Wetter hätte ein wenig mehr Richtung Frühling sein können.

Wellenbrecher

Die Wellenbrecher in Warnemünde sind ein beliebtes Motiv für Fotografen, erst recht, wenn Wagemutige auf den Holzpfosten balancieren. Im Sommer sorgen sie dafür, dass die Dünung, von Brandung kann man ja in Warnemünde nicht so recht reden, nicht über die Strenge schlägt. Dem kleinen Charlie war es auch etwas umheimlich, so dass ich ihn schnell wieder in meiner Tasche habe verschwinden lassen.

Saisonauftakt

Unser erster Weg nach dem Andocken unseres Wohnmobils in Warnemünde ist das Abklatschen des grünen Leuchtturms am Ende der Mole. „Wir sind wieder da und haben vor zurückzukommen“. Aberglaube. Aber von der guten Sorte. Bis jetzt hat es tadellos funktioniert.

Das Wetter hielt am Wochenende nicht ganz was die App versprochen hatte, aber Wolken sind ja gut für die dramatische Wirkung von Fotos. Verstärkt durch den „Dramatic Tone“ des Artfilters der Kamera erst recht. Jetzt sitzen wir wieder zu Hause und haben Jetlag, aber nicht durch die lange Reise, sondern die bescheuerte Uhrzeitumstellung die niemand braucht.

Die große Leere

Geisterflughafen - Foto: h|b
Geisterflughafen – Foto: h|b

Mit lautem Röhren dreht ein aufgemotzter Brandenburger Pseudorennwagen seine Runden auf den leeren Straßen am künftigen Flughafen BER, nur ab und an ausgebremst durch einen der Busse die – warum auch immer – planmäßig hier vorbeikommen. Wir haben letzten Samstag die Gelegenheit genutzt unser Wohnmobil mal wieder ein wenig zu bewegen und statt mit S-Bahn und Bus sind wir mit dem Auto zum Aussichtsturm am BER gefahren. Direkt am Turm haben wir auch einen Parkplatz bekommen und einer völlig überraschten Frau 2 Tickets zum Ersteigen desselben abgekauft. Sie ruft uns noch hinterher, dass wenn wir Fragen hätten und so ….. Haben wir aber nicht.

Billigflieger vor Stadtkulisse - Foto: h|b
Billigflieger vor Stadtkulisse – Foto: h|b

Für Planespotter ist das aktuell ja eher frustierend. Die Start- und Landefrequenzen der am Schönefelder Flughafen stationierten Airlines sind zur Mittagszeit eher spärlich zu nennen. Sind eben auch überwiegend nur Ferienflieger, die Airlines der Lufthansa, Air Berlin und wie sie alle heissen, fliegen halt auf Tegel. Nach fünfzehn Minuten auf dem windigen Turm haben wir uns wieder vom Acker gemacht. Noch einen kurzen Fotostopp vor dem Haupteingang eingelegt, wo sich Skater und Fotografen die große Leere teilen, das sollte reichen für die nächsten 1000 Tage. Ein Rudel streunende Wölfe oder vorbeirollende Steppenläufer hätten uns jetzt auch nicht wirklich gewundert. Faszinierend.

Fast allein

Der Herbst lässt die Ostseestrände wieder leerer werden - Foto: h|b
Der Herbst lässt die Ostseestrände wieder leerer werden – Foto: h|b

Langsam aber sicher wird es in Warnemünde wieder leerer. Es ist Herbst und die Saison der Kreuzfahrtschiffe ist beendet. Sie kreuzen jetzt mit ihren tausenden Passagieren in wärmeren Gefilden. Dem Mittelmeer, der Karibik oder zwischen den kanarischen Inseln. Es wird früher dunkel und wir hatten bei unserem letzten Besuch den Strand wieder fast für uns alleine. Der frühmorgendliche Spaziergang am „Alten Strom“ entlang, Warnemünde noch ganz verschlafen, wie ausgestorben. Für uns ist die Saison nun leider auch vorbei. Danke für die schöne Zeit, wir sehen uns im nächsten Jahr.

Gib mir fünf

SeegrundstückSeegrundstück in Norwegen

Nach einem herrlichen Frühherbsttag in Warnemünde, mit einem langen Strandspaziergang nach Wilhelmshöhe und zurück, sitzen wir nun in unserem Wohnmobil bei Bier und Wein. Hier, wo alles seinen Anfang nahm. Heute genau vor fünf Jahren haben wir, gleich hier um die Ecke, in Bargteshagen, unser Wohnmobil vom Händler in Empfang genommen. Im Kühlschrank fand sich eine Flasche Sekt und wir uns kurz darauf auf der Mittelmole in Warnemünde wieder. Dies sollte für die nächste Zeit unser Hotspot für die kleinen Auszeiten werden, aber das wussten wir da noch nicht so genau.

Inzwischen sind 5 Jahre und rund 60.000 Kilometer ins Land gegangen. Im Kopf schwirren Unmengen von Bildern herum, die ich versuche einer unserer vielen Touren zuzuordnen. Wir beide in der Mitternachtssonne auf dem Nordkapp, unter einem riesigen Regenbogen an der Nordsee, vor dem Leuchtturm des Cap Fréhel, in den Schwefelquellen der Toskana, und, und, und…. Es müssen Tausende sein, die irgendwo gespeichert sind. Im Kopf, so wie bei Frederik der Maus. Jederzeit abrufbar. Schöne Erinnerungen, warme Gefühle.

Und soviel liegt noch vor uns, was wir noch sehen wollen, die schottischen Highlands, die Geysire auf Island, die Affen auf Gibraltar, oder die höchsten Schweizer Berge. Ich muss nicht nach Bangkok oder auf die Malediven fahren, es gibt so tolle Sachen in Deutschland und Europa zu entdecken und alle können wir mit unserem rollenden Haus erreichen. Also stoßen wir an, auf fünf Jahre Freiheit und Abenteuer und wünschen uns für die nächsten fünf Jahre – erstmal – viel Neues zu sehen. Herzlichen Glückwunsch „Bergziege“ und begleite uns weiter zuverlässig durch die Welt.

Urbane Wiedereingliederung

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Nach einer längeren Auszeit als Reisender ohne festes Ziel, jede Nacht unter einem anderen Sternenzelt, immer den Blick auf das weite Meer, fällt mir die Wiedereingliederung in die Millionenstadt Berlin gar nicht so leicht. Zuerst sind schon die vielen Menschen leicht befremdlich, haben wir doch in unserem Urlaub die größeren Ansiedlungen in der Regel gemieden. Einsame Strände, leere Campinggrounds, kleine Küstendörfchen waren unsere bevorzugten Locations. Jetzt bewege ich mich durch Häuserschluchten, nutze wieder städtische Infrastruktur und….. muss wieder arbeiten. Okay, das ist wichtig. Nur so ist die nächste Auszeit, das nächste ausbrechen wieder möglich. Aber schwer ist es trotzdem.