Archiv der Kategorie: Operation Overlord

Honfleur

Heute Nachmittag haben wir nach fünf Tagen den Bereich der Landungsstrände in der Normandie mit vielen persönlichen Eindrücken verlassen. Wir haben viele Mahn- und Denkmäler gesehen, Museen besucht, anrührende Filme angeschaut, und trotzdem ist das alles nicht wirklich fassbar. Was letztendlich bleibt sind Kreuze. Daher ohne weitere Worte, drei Bilder von Friedhöfen der Gefallenen. In der Reihenfolge: Amerika – Colleville-sur-mer – 9387 Gräber, England – Douvres-La-Délivrande – 1123 Gräber und Deutschland – La Cambe – 21 222 Gräber. Ruht in Frieden.

Amerikanischer Soldatenfriedhof in der Normandie

Britischer Soldatenfriedhof in der Normandie

Deutscher Soldatenfriedhof in der Normandie

Vierville-sur-mer (Omaha Beach, Normandie)

John Steel am Kirchturm von Saint-Mére-Eglise
John Steel am Kirchturm von Saint-Mére-Eglise – Foto:h|b

Heute sind wir an den Landungsstränden der Alliierten in der Normandie angekommen. Da der Jahrestag erst eine Woche zurückliegt und weitere Feiern noch den ganzen Juni über stattfinden, ist hier alles bunt geschmückt. Aus den Häusern hängen die Fahnen der Befreier, die Straßen sind überspannt mit kleinen Fähnchen, selbst die Schaufenster sind mit entsprechenden Motiven bemalt. Die Normandie ist voll im D-Day-Fieber. Viele Amerikaner sind unterwegs, besuchen ihre „Memorials“, ihre Friedhöfe und die vielen Museen entlang der Küste.

Fast jede Waffengattung hat irgendwo ein speziell für sie aufgestelltes Denkmal, zur Zeit alle mit Blumengebinden und Gedenkschleifen verziert. Das beste Museum bisher, steht in Sainte-Mére-Eglise. Dieser Ort erlangte Berühmtheit, weil hier ein Fallschirmspringer der Luftlandedivisionen mit Namen John Steele am Kirchturm hängenblieb. Diese Szene findet auch im Film „Der längste Tag“, u.a. mit John Wayne, seine Verwendung. Der damalige Bürgermeister der Stadt setzte sich für das Gedenken ein und daher ist hier das Museum der Luftlandetruppen beheimatet, ein sehr gut umgesetztes Museum. Hat mir gut gefallen.

Omaha Beach in der Abendsonne
Selfie vor Omaha Beach in der Abendsonne – Foto: h|b

Anschließend besuchen wir noch Utah Beach am Strand von „La Madeleine“, auch hier wieder Memorials und ein Museum und zum Abschluss des heutigen Tages fahren wir zum riesigen deutschen Soldatenfriedhof bei „La Cambe“. Das reicht uns dann auch als Geschichtslektion für einen Tag und wir beenden Tag 1 der „Operation Overlord“ auf einem Campingplatz in Vierville-sur-mer, auf Klippen direkt oberhalb des Omaha Beach. Uns bleibt nur ein „Danke“ an die vielen Freiwilligen, die das Andenken bewahren und ein hoffnungsvoller Ruf: „Nie wieder Krieg!“ Aber das bleibt wohl auch in Zukunft auf der Welt lediglich ein frommer Wunsch. Vielleicht wenigstens in Europa.

Alignments du Ménec

Menhire in Carnac

1099 große Steine, in mehreren Reihen ausgerichtet, umfasst das größte der drei Steinfelder in Carnac. An diesem Ort befindet sich die bekannteste prähistorische Stätte der Bretagne, mit insgesamt über 3000 Menhiren. Sie entstand in den Jahren 4500 bis 2500 vor Christus, als die steinzeitlichen Sammler und Jäger sesshaft wurden. Anstelle der sonst üblichen Steinkreise sind hier die Steine in langen Reihen aufgestellt. Die größten Blöcke von Carnac wiegen dabei mehrere Tonnen. Die Menschen transportierten sie von weit entfernten Steinbrüchen hier her, lange vor der Erfindung des Rads. Warum?

Erklärungsversuche gibt es einige: Fruchtbarkeitskult, himmlische Chronometer – die Reihen sind entlang der Ost-Westachse ausgerichte – Landeplatz für Außerirdische, oder einfach Versammlungsorte? Eigentlich hat man nicht die blasseste Ahnung. So lässt man die Steine am Besten auf sich wirken und denkt sich 6000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Als die Menschen sesshaft wurden und beschlossen zu unserem Vergnügen Steine aufzustellen. Nach dem Motto: Viel Spaß, macht euch mal schön Gedanken. Wir fanden es einfach lustig. Vielleicht war es so, wer weiß.

L’Herbaudiere Noirmoutiere-en-I’Ile

Die Atlantikküste auf der Insel Noirmoutier
Die Atlantikküste auf der Insel Noirmoutier – Foto: h|b

Am Donnerstag sind wir am fast östlichsten Punkt Deutschlands aufgebrochen, um heute nach rund 1800 Kilometern am fast westlichsten Punkt Frankreichs, in L’Herbaudiere, an der Atlantikküste zu stehen und uns am Sonnenuntergang zu erfreuen. Zum letzten Bericht, ein Kontrastprogramm wie es stärker nicht sein könnte. Weg von den deprimierenden Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs an der Meusse, weit hinüber ans friedliche Meer, dessen Wellen unter uns leicht an den Strand schlagen. 

Hier legen wir eine Pause ein, um dann von hier aus unsere Bretagne- und Normandietour zu starten. Dort werden wir spätestens in der übernächsten Woche wieder daran erinnert, dass das Meer auch unfriedlich sein kann. Wir erreichen dann die Strände Utah-, Omaha-, Gold-, Juno- und Sword Beach, so benannt in der „Operation Overlord“. Am 6. Juni 2014 jährt sich die Landung der Alliierten an der Normandie zum 70sten Mal. Große Feierlichkeiten stehen an. Wir werden aber erst danach die Strände erreichen, auf denen tausende Soldaten ihr Leben verloren haben, um Europa vom Irrsinn des „tausendjährigen Reichs“ zu befreien. Damit wir heute hierherfahren und friedlich mit allen Nationen gemeinsam ein Glas Wein trinken können. In diesem Sinne: Santé.

Ville de Verdun

20140530-221029-79829795.jpg
Kriegerdenkmal „Aux Enfants de Verdun“

Sind heute in einem Parforceritt über die französische Grenze direkt nach Verdun vorgestoßen. Die Résistance in Metz haben wir großzügig – mit einer kleinen Mautzahlung – umgangen, so dass wir am Nachmittag an der „Confisserie Braquier“ unser Quartier beziehen konnten. Chapeau. Wir haben uns gleich mit Proviant eingedeckt, den berühmten Schokoladendragees und Bonbons mit der Geschmacksrichtung „Fleur de Rose“. Schmecken etwas nach Parfüm. Die Erkundung der Stadt führte uns zu den diversen Denkmälern zu Ehren der kämpfenden Truppen, der Festung und der über der Stadt wachenden Kathedrale „Notre Dame“. Nebenan im „Palais de Paix“ hängen allen Ernstes großformatige Bilder der Berliner Mauer. Ick gloob, ick spinne. Schön dass Europa inzwischen geeint ist, und wir Orte besuchen, statt zu zerstören. Morgen besichtigen wir die Schlachtfelder von Verdun mit dem Beinhaus, in dem die Gebeine von rund 130.000 unbekannten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt werden. Ein Monument des Schreckens und des Besinnens. In diesem Sinne ein nachdenkliches „Bonne nuit“ aus dem Nachbarland.