Neuer deutscher Kummer

Videodreh der Sängerin Raffete auf der Oberbaumbrücke - Foto: h|b
Videodreh der Sängerin Raffete auf der Oberbaumbrücke – Foto: h|b

Eigentlich wolle ich am Samstagmorgen das Wikingerschiff „Havhingsten fra Glendalough“ fotografieren, was gegen zehn Uhr gemächlich die Spree in Richtung Oberbaumbrücke herunterruderte. Mitten auf der Brücke, unter den roten Backsteinbögen, drehte sich aber gleichzeitig eine junge Frau, verkleidet als Clown, zu Musik die irgendwo aus einem Lautsprecher kam. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich das Ganze als Videodreh (meine Vermutung) zu einem Musikstück. Melancholisch lief die Musik, passend zum langsamen Rudertakt der „Wikinger“, und wie ein träumender Clown in der Manege drehte sich „Raffete“ um sich selbst. Das ist der Name der Künstlerin, wie ich später im Netz herausfinden konnte. Da man Gelegenheiten nutzen muss, wenn sie sich einem bieten, nutzte ich sie für ein paar Fotos der Sängerin. Getreu ihrem eigenen Motto: „… den Soundtrack zu deinem Schwarzweißfilm“ zu liefern, habe ich die Kamera flugs auf schwarzweiss gestellt und ein paar Stills „gestohlen“. Wer braucht schon Wikinger.

More Sky

Selfie

Gestern Abend waren wir noch auf den letzten Drücker bei der Ausstellung „More Sky“ von Otto Piene. der obere Bereich der „Neuen Nationalgalerie“ ist dazu mit großen Tüchern abgeteilt, mittendrin liegt ein großer Ballon. Mehrere Projektoren bestrahlen die Objekte und die Wände. „Noch 5 Minuten“ wird projeziert als wir den riesigen Raum betreten. Menschen stehen und liegen herum, viele üben sich im Schattenspiel an den Wänden.

Dann geht es los. Der Raum wird verdunkelt und eine Stimme aus dem „Off“ gibt englische Befehle: „Follow the trace“, „Set Frequenz to eight seconds“, „Eight Seconds“, Eight Seconds“ …. In diesem Rhythmus werden nun farbige „Dias“ auf die Kugel, die Tücher und die Wände geworfen. Mal in langsamen Rhythmus, mal im schnellen Takt. Je nach Befehl. Durch die herumlaufenden Menschen, verändern sich die Strukturen zusätzlich.

Ich bin erst eine Runde gelaufen um zu fotografieren, hab mich dann aber auch auf das Spektakel eingelassen. Nur noch der hypnotischen Stimme gelauscht und die Farben wirken lassen. So stelle ich mir einen LSD-Trip vor. Als Laie. Die Ausstellung läuft noch bis zum Sonntag. Wer Zeit hat, sollte mal hingehen. Jeden Abend ab 22 Uhr. Eintritt ist frei.

Der Wächter

Der S-Bahn-Wächter - h|bDer S-Bahn-Wächter – h|b

Als ich letzte Woche irgendwann mit der S-Bahn durch den Bahnhof „Oranienburger Straße“ fuhr, habe ich mich fast ein wenig erschrocken. Nahm ich doch aus dem Augenwinkel ein Wesen wahr. Rot und dunkel glänzendes Metall, ausgebreitete Arme, bewaffnet mit Ketten und einem starren Blick. Das musste ich mir näher ansehen. Beim nächsten Mal stieg ich also aus und machte mich auf die Suche. Irgendwo musste er sich ja versteckt haben. Ich pirschte mich mit meiner Kamera langsam den Bahnsteig entlang, vorsichtig, ich wollte ihn ja nicht erschrecken. Durch die einfahrende S-Bahn abgelenkt, konnte ich schnell das außergewöhnliche Portrait schießen, dann sprang ich auch schon in die nächste S-Bahn stadtauswärts. Geschafft. Voila: Der S-Bahn-Wächter.