Berlin-Blues #6

Der Portikus des Anhalter Bahnhof in Berlin

Als Reichsbahner, in einem anderen Leben, wäre ich vielleicht in den 30er Jahren, mit dem D356 von Frankfurt/M aus, am Anhalter Bahnhof in Berlin angekommen, statt mit dem ICE erst 2001 am Bahnhof Zoo, um meine neue Stelle anzutreten. Aber so war er kurz nach meiner Geburt bereits Geschichte. Seit der Sprengung der Bahnhofshalle 1959 steht nur noch der Portikus. Einst ein wichtiger Berliner Fernbahnhof, wurde er im Krieg stark beschädigt, so dass – trotz Proteste der Berliner Bevölkerung – ein Abriss erfolgte und nur das Portal erhalten blieb. Die beiden Figuren „Tag & Nacht“ stehen heute im Technikmusem in Berlin.

Ich kann mich dunkel entsinnen, Mitte der 80er Jahre mal in Berlin gewesen zu sein, als im Rahmen der 750 Jahrfeier und der Ausstellung „Mythos Berlin“, der Aktionskünstler Wolf Vostell eine komplette Dampflokomotive wie eine Schildkröte auf den Rücken legte. Die auf dem Kopf stehende Skulptur nannte er La Tortuga. Sie sollte als Mahnmal auf den Missbrauch von Industrie und Technik für den Krieg hinweisen und symbolisch den Niedergang alter Industriezweige versinnbildlichen. Ich habe damals auch ganz sicher Fotos gemacht, aber die sind leider im Orkus der Vergangenheit verschwunden.

Das ist nur einer der vielen Bahnhöfe meines Lebens, wo die Weichen für später gestellt wurden, ohne dass ich zu der Zeit davon auch nur geahnt hätte.

Nachgewachsen

Ein erhöhter Blick über die Rüdersdorfer Straße in Berlin-Friedrichshain. Rechts im Bild ALDI mit Parkplatz.

Heute möchte ich in der Rubrik „Früher/Heute“ meiner näheren Umgebung etwas Aufmerksamkeit widmen. Hergezogen sind wir im Jahr 2001, den Comeniuspark haben wir seitdem vor der Tür. Damals haben wir nicht verstanden, was dieser riesengroße, tolle Spielplatz in dem Park sollte, heute wünschen wir ihn uns manchmal weg. Nein, nicht wirklich, Kinder sind schließlich unsere Zukunft. Damals, also Anfang der 2000er, gab es hier allerdings so gut wie keine Kinder, die den Spielplatz nutzen konnten. Die Gentrifizierung nahm erst langsam ihren Lauf. Eher hätte es Hundeplätze und Altenheime gebraucht.

Zu seiner Zeit gab es dort einen großen Baum der Schatten warf, aber irgendwann morsch wurde und gefällt werden musste. Als Ersatz wurden 3 kleine Bäumchen gepflanzt. Ich dachte damals noch, na bis die mal Schatten werfen, bin ich uralt. Inzwischen haben sich die 3 Bäumchen zu einem großen Ungetüm gemausert und auch die kleinen Bäume am Eingang, sind inzwischen nachgewachsen und so groß, dass man den eigentlichen Park nur noch im Winter sieht, wenn die Blätter gefallen sind.

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Verloren 33/52

Ein verlorener Turnschuh auf einer Bärenfigur aus Stein

„Wo ist dein Schuh? Du hast ihn verloren. Als ich dir den Weg zeigen musste
Wer hat verloren? Du dich? Ich mich? Oder, oder wir uns?“

In seinem Hit „Jeanny“ sang Falco schon 1985 von verlorenen Schuhen. Gut, die Geschichte ging noch weiter, der Schuh damals war rot, gehörte einem Mädchen und leider ging sich das Ganze nicht gut aus. Aber der Text passt trotzdem zum Wochenthema #Verloren der #52WochenFotoChallenge. Warum Menschen in Berlin ihre Schuhe verlieren und wie sie den Rest des Weges zurücklegen ist mir schleierhaft, aber man sieht die armen, verlorenen Schuhe nicht selten im Stadtbild.

Ein verlorener Turnschuh am Gleis im Berliner Hbf
Schuh im Gleis

Gestrandet

Beach Bar am Berliner Hauptbahnhof aus dem Jahr 2009

Bar 25, Bundespressestrand, Oststrand, Strandbar Mitte, Beach am Hauptbahnhof oder Humboldthafen. Wer Ende der Nullerjahre in Berlin gelebt hat, verbindet mit diesen Namen vielleicht das entspannte Bierchen am Ufer der Spree zu entspannter, elektronischer Musik, oder zumindest mit nackten Füßen im feinkörnigen Sand. Brachflächen wurden damals sinnvoll genutzt, das Lebensgefühl einer großen Stadt spiegelte sich wider. Nicht immer für Alle geöffnet, gegen Ende dieser Phase wurde es teilweise elitär und der Zugang eingeschränkt, aber im Großen und Ganzen schon eine coole Zeit.

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Nummer 27/52

ICE Wagen 12, 1. Klasse, Nahaufnahme

Was liegt näher als meine Wochenendaufenthalte am Berliner Bahnhof dafür zu nutzen eine Nummer zu ziehen, ähhm, zu suchen und zu fotografieren. Schließlich ist #Nummer, der aktuelle Begriff der Woche 27 in der #52WochenFotoChallenge. Jeder Zug hat natürlich irgendwo Nummern, sei es Wagennummern, oder Platznummern, oder die „große“ Nummer, die den Pöbel von den Eliten trennt. Bei der Bahn wird „Klassenbewusstsein“ schließlich groß geschrieben. Als aktiver Mitarbeiter der Bahn durfte ich ja die letzten 20 Jahre auch die „bessere“ Klasse nutzen, als Pensionär bleiben mir nur noch die Holzbänke. Na gut, so schlimm ist es ja gottseidank auch nicht, Zug fahren ist generell eine tolle Sache, solange die Züge fahren und einigermaßen pünktlich sind. Mit beidem klappt es im Moment nicht so wirklich, es kann nur besser werden. Hoffe ich mal.

Unterbrochen

Verwischt U-Bahn hinter einem dunklen Pfeiler

Minimalismus in der Fotografie. Hell und dunkel, schwarz und gelb, Bewegung und Standhaftigkeit. Der Pfeil im grünen Quadrat zeigt nach links.

Olympus OM-D E-M5II / 17mm / 1/3 Sek bei f 4.5 – U-Bahnhof Bernauer Straße in Berlin

Rote Mütze

Verfremdetes Bild einer Person auf einer Rolltreppe

Am letzten Tag meines Einsatzes als Reisendenlenker am Berliner Hauptbahnhof bin ich noch ein wenig durch die Kathedrale des Lichts mäandert und hab Aufnahmen mit dem iPhone und der App Bluristic gemacht. Dabei gerät alles in Bewegung. Man kann den Fokus auf etwas setzen, was dann verfolgt wird und klar bleibt, oder man bewegt die Kamera und alles wird schlierig. Der Effekt ist in allen Fällen eine Art Painting. Wobei ja fotografieren auch nichts anderes ist, als Malen mit Licht. In diesem Sinne viel Spaß bei meinen kleinen Fotospielereien.

Abnehmen

Abnehmender Mond über dem Berliner Ostbahnhof

Was uns als Menschen meist eher schwer fällt, macht der Mond im Monatsrhythmus. Er entsteht scheinbar aus dem Nichts, nimmt dann immer mehr zu (vermutlich seine Bier und Chipsphase), bevor er uns voll und satt am Höhepunkt seines Schaffens in die Fenster leuchtet und uns vom Schlafen abhält.

Ab dann überlegt er sich, dass es vielleicht besser wäre, nicht ganz so viel zu essen und macht vielleicht auch ein wenig Sport. Von links nach rechts über den Horizont wandern, jeden Tag auf- und abgehen, soll ja auch für uns nicht das Schlechteste sein. Bewegung ist gut und wenn man sich dabei auch etwas anstrengt, nimmt man auch wieder ab.

Gestern Abend zeigte der Blick aus dem Fenster den zunehmenden Mond über dem beleuchteten Baugerüst des Berliner Ostbahnhofs. Eine Gelegenheit die Olympus zu schnappen, das Tele anzuflanschen und ein Foto der „Area 51“ zu schießen.