Gestern wurde mir ein Foto in die Timeline gespült, oder besser gesagt der Beitrag Kükenalarm vom 11. Juni 2024, an dem ich stolz die ersten Fotos der neuen Überlinger Waldrappe präsentiert habe. Damals waren sie noch sehr klein und ich konnte gerade mal EIN Küken auf den Sensor bannen. Diesmal sind sie scheinbar schon weiter.
Action! Im Januar? Am Bodensee? Wo alles in der Winterstarre ausharrt und auf die kommende Saison wartet. Gar nicht so einfach. Die Idee mit dem „Schnellen der Karbatschen“ hatte ich mir ja schon überlegt, aber das Hauptevent, das „Einschnellen“ findet in Überlingen traditionell bereits am 6. Januar statt. Also viel zu früh für Bilder, die ja laut Vorgabe in der entsprechenden Woche geschossen werden sollen.
„The Waldrapps have left the building“! War vor rund 14 Tagen noch „Stress im Oberhaus„, zeigt sich die Felsspalte im Katharinenfelsen inzwischen verwaist. Nur die beiden Attrappen halten noch die Stellung. Der Rest der Waldrappkolonie hat Überlingen verlassen.
Einer der 3-D Waldrappen liegt umgekippt im Nest, der Zweite sieht auch nicht glücklich aus. Drumherum steht der Nachwuchs der Waldrappen und überlegt vielleicht, ob man das Nest nicht vielleicht für sich selbst nutzen könnte und die weiterhin schweigenden „Geschwister“ einfach den Felsen herunterkickt. Wer weiß 😉
So richtig kann man die Köpfe des Waldrappnachwuchses nicht zählen, aber so grob dürften sich inzwischen 8-10 junge Waldrappe in den Nestern am Katharinenfelsen bei Überlingen tummeln. Immer wieder testen sie ihre Flügel aus, ähnlich wie die Storchjungen in Salem.
Die Gerüchte besagten, dass die Waldrappe in Überlingen inzwischen Nachwuchs bekommen haben. Also fuhr ich gestern kurz am Felsenhorst vorbei, um zu schauen, ob es bereits etwas zu sehen gibt. Es war zwar viel los am Katharinenfelsen, aber zu sehen waren nur die üblichen Verdächtigen. Zoppo, Marcello, Urmel und so weiter. Wie immer dabei am Gefieder rumzuzupfen, oder das Nest zu optimieren.
Familybusiness
Aber ganz links schien ab und an was zu zappeln. Ein grauer Flügel, oder ein kleiner Schnabel. Aber davor steht immer ein Waldrapp, Mama oder Papa würde ich mal vermuten. Langsam wurden mir die Arme schwer vom halten der Kamera mit dem Teleobjektiv. Ab und an kamen andere Besucher vorbei, aber ohne Fernglas oder Tele ist kaum etwas zu erkennen. Ich wollte schon aufgeben, als es dann doch passierte: Das erste Küken der Überlinger Waldrappen präsentierte sich meiner Kamera. Ich konnte mein Glück kaum fassen und hoffte, dass man auf dem Bild auch etwas sehen würde. Auch mit dem Tele ist es noch weit weg. Aber, tataaaa, here it is. Mein erstes Waldrappküken.
Küken mit ElternteilWaldrappnachwuchs
Von den Eltern gefüttert hatte es die Kraft sich erstmalig der Öffentlichkeit zu zeigen. Leider fehlte ein wenig das begeisterte Publikum, so dass ich den Moment ganz für mich hatte. Das kleine, graue Etwas sieht ein wenig aus, wie Phönix aus der Asche, aber anhand der großen Vögel sieht man ja, dass die Schönheit im Laufe der Zeit von selber kommen wird. Mehr war heut nicht drin, ich war happy und am Ende zeigte sich auch am Rechner, dass ich das erste Überlinger Waldrappküken erfolgreich präsentieren kann.
Betrachtet man die Menge der Störche hier am Bodensee und insbesondere in und um Salem, dürfte es um den Menschennachwuchs gut bestellt sein. Vorausgesetzt, man glaubt daran, dass die Babys vom Storch gebracht werden. Oder man vom Storch gebissen werden muss, um schwanger zu werden. Aber ist ja alles Aberglaube.
Am Montag bin ich mit dem Rad wieder mal zum Katharinenfelsen gefahren, dort wohnen die Waldrappe von Überlingen. Laut „Animal Tracker“ finden sich dort acht Waldrappe. Sechs konnte ich auf meinen Fotos anhand der Ringnummer identifizieren, nämlich Zoppo, Marcello, Urmel, Ciop, Bernardo und … Limoncello (sic!) Cooler Name auf jeden Fall.
Gegen halb elf am Samstag warten rund 500 Bärenfreunde im Tierpark auf den Auftritt der kleinen Eisbärin im großen Rund des Eisbärengeheges. Sie ist schon draußen, aber noch liegt sie unsichtbar unter ihrer Mutter Tonja. Ab und an taucht ein kleines, helles Haarbüschel auf, aber die Mutter passt auf und schiebt alles schnell wieder unter sich.
Die beiden sind gut gebrieft, um 11 Uhr ist nämlich Eisbärentalk, und scheinbar dürfen sie bis dahin in ihrer Kuschelecke liegen bleiben. Kurz vor elf geht endlich ein erlösendes „Aaaahhhhhh“ durchs Rund. Tonja erhebt sich und ein kleines, weißes Wollknäuel torkelt noch leicht verschlafen hinter her. Obwohl, sooo klein ist das Eisbärenbaby gar nicht mehr. Ist schon fast ein properes Teenie.
Nun gibts rund anderthalb Stunden das volle Programm. Mit Ästen kämpfen, Wasser testen, mit Mama kuscheln, mal was trinken, Gelände erkunden. Genug Möglichkeiten für die Fotografen hunderte von Bildern zu schießen und den vielen Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Am Ende kuscheln sich beide auf ihrem Lieblingsfelsen zusammen und halten Mittagsschläfchen. Die Eisbärenfreunde ziehen weiter zu anderen Bewohnern des Tierparks, ich packe meine Sachen und mache mich mit rund 600 Bildern in der Kamera auf den Heimweg.
Hier noch eine kleine Auswahl, später – nach ausführlicher Sichtung – gibt es sicher noch einen Zuschlag.
Sitz! – Foto: h|b
Spaziergang – Foto: h|b
Ausguck – Foto: h|b
Kuschelzeit – Foto: h|b
Alle Fotos mit der Olympus OM-D E-M5 II und dem Zuiko 75-300mm.
P.S.: Morgen bekommt sie ihren Namen. Bin gespannt was es wird.