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Aleppo – Dresden – Berlin

In Dresden standen sie direkt vor der Frauenkirche und zogen sich damit den Protest der „besorgten Bürger“ und den Pegida-Anhängern zu. In Berlin stehen sie nun an einem ähnlich geschichtlichem Platz, dem Brandenburger Tor: Drei – von deutschen Nahverkehrsbetrieben ausrangierte – Linienbusse, hochkant aufgestellt vom Künstlers Manaf Halbounis im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalons des Maxim Gorki Theater. Das Werk bezieht sich auf ein Bild aus Aleppo in Syrien, auf dem eine errichtete Straßensperre aus hochkant aufgestellten Bussen, Zivilisten vor den Scharfschützen schützen soll. Auch wortwörtlich ein schöner Widerspruch.

Die Berliner und Touristen sind da etwas entspannter als die Dresdener, bisher gibt es weder Tumulte noch Gegendemonstrationen, höchstens ein wenig Berliner Gemaule über „ditte, wat man so unter Kunst vastehn tut“ und das übliche Facebookbashing. Laut Künstler steht der Ort am Brandenburger Tor auch für Barrikadenkämpfe zur Zeit der Märzrevolution 1848. Die drei Busse somit als Beispiele modernen Barrikadenbaus. Der Künstler bringt die Gegenwärtigkeit von Krieg und Zerstörung mit seinem #monument zurück. Die Kunstaktion ist noch bis zum 26. November zu besichtigen

Monument
Die 3 Schrottbusse – Foto: h|b

Lange Belichtungszeit

Ein Treppenhaus im "Dresdner Zwinger" als Vorlage für ein Gemälde - Foto: h|bEin Treppenhaus im „Dresdner Zwinger“ als Vorlage für ein Gemälde – Foto: h|b

Wo unsereiner meist das Erstellen einer Abbildung mittels fotografischem Equipment in 100stel Sekunden berechnet, sitzt der klassische Maler schon mal einen ganzen Tag, oder länger, an seiner Staffelei, um am Ende ebenfalls ein Abbild dessen zu schaffen, was er vor sich sieht. Dazu braucht es Talent, Geduld und ein gutes Auge. Das sich entwickelnde Bild auf der Staffelei entsteht in vielen Schichten.

Hier trägt der Maler ein wenig Licht auf, dort wird die Luminanz angehoben, und vielleicht noch an anderer Stelle der Kontrast verstärkt. Eigentlich alles so ähnlich, wie wir das später mit unseren Fotos in in der EBV machen. Am Ende steht allerdings im Fall des Malers ein in vielen Stunden entstandenes Bild, welches sicher nicht auf irgendeiner Festplatte verschimmelt, sondern hoffentlich ein schönes Plätzchen an der Wand bekommt.

– Gesehen an unserem Wochenende in Dresden –

Blaue Stunde

Blaue Stunde am Elbufer in Dresden - Foto: h|bBlaue Stunde am Elbufer in Dresden – Foto: h|b

So lange in Deutschland der Winter noch auf sich warten lässt, nutzen wir die Gunst der Stunde und schauen uns mit unserem Wohnmobil noch ein bisschen um. Dieses Wochenende sind die Würfel auf Dresden gefallen, sah das Wetter in der Vorschau dort am ehesten nach Sonne aus. Es war zwar in der Realität ein Wolken-Sonne-Mix, aber prima zum laufen und fotografieren. Der Stellplatz für Wohnmobile liegt – mit Blick auf die Altstadt – dieser direkt gegenüber und ist nur zu empfehlen. Zentraler kann man kaum stehen.

Nach dem andocken gehen wir über die Augustusbrücke und sind in 10 Minuten am Neumarkt mit der Frauenkirche, dem Zwinger, dem Altmarkt, dem Residenzschloss und was sich dort im direkten Umfeld alles so tummelt. Nach Kaffee und Kuchen mit Blick auf die Frauenkirche schlendern wir durch die Stadt, sehen den Gauklern zu und bewundern etwas später die vielen Putten auf dem Zwingerundgang. Auf dem Altmarkt baut übrigens Bergmann Events, wer auch sonst, gerade den Dresdner Winterzauber auf. Ist schon klar, irgendwo müssen ja die Buden, die jetzt von der Winterwelt am Potsdamer Platz und dem Weihnachtsmarkt am Alex übrig sind, weitervermarktet werden. Im Gegensatz zu Berlin haben sie allerdings dort vernünftigerweise keine Schneerodelbahn, sondern nur eine ganz normale, aus Plaste.

Abends, wir liegen schon dick eingekuschelt lesend im Wohnmobil, gibt es zu unserer Ankunft noch ein verspätetes Willkommensfeuerwerk der Extraklasse. Danke Dresden. Über den morgendlichen Glockenterror, ab kurz vor acht glockt es fast ununterbrochen aus allen Kirchen der Stadt, müssen wir allerdings noch mal reden. So ein klein wenig ausschlafen wäre schon nett 😉